Von Anna v. Münchhausen

Zum Beispiel Mona Lisa, ein anerkannt klassischer Fall: Ihr Ehemann wünschte sich ein Bildnis von ihr. So setzte sich Lisa folgsam ins Atelier von Leonardo da Vinci und lächelte. Die Folgen sind bekannt.

"Fast alle kommen, weil es der Partner wünscht", erzählt der Münchner Porträtmaler Roger Baron. Saumseligkeit wie Leonardo freilich kann und mag er sich nicht leisten: Als dessen Mona Lisa nach vier Jahren immer noch unvollendet lächelte, trat der Kaufmann Francesco del Giocondo von seiner Order verärgert zurück. Der Künstler zeigte sich davon wenig beeindruckt und verkaufte das Bild günstig in Paris – an den französischen König.

Vorbei sind die Zeiten, da Maler im weitesten Sinn die Diener der Fürsten und Mächtigen waren. Der kleinste gemeinsame Nenner, so sieht es Roger Baron, könnte heute lauten: "Diener der Zeit". Und diese Zeit hat offenbar, nach unendlichen Variationen des Abstrakten, soeben wieder Gefallen am persönlichen, unverwechselbaren Porträt gefunden. Der Trend wird von Galeristen bestätigt und dokumentiert sich auch im Auftragsbuch von Roger Baron. Wenn er wollte, könnte auch er wie Leonardo Gehilfen beschäftigen, die ihm Handlangerdienste leisten könnten. "Aber mit der Freiheit ist’s dann aus", ahnt er.

Weil er sich seine Zeit einteilen kann, fühlt er sich privilegiert. Trotzdem ist seine Arbeit strikt geregelt. Er malt nach Stundenplan, geht hinüber in sein Atelier unterm Dach wie andere ins Büro. "Ich kann es mir nicht leisten zu warten, bis die Muse mich küßt."

Derlei Distanz zum üblichen Künstler-Klischee fließt häufig in seine Erläuterungen ein. Überhaupt – Künstler? "Den legen wir mal besser zur Seite", befindet er. Andere Deflationen fallen ihm ein, die den Kern eher treffen: Auftragsmaler, Handwerker, später auch Salonmaler, aber im soliden Sinn.