Unterhaltsam

"Joao Gilberto Prado Pereira de Oliveira" – der ausführliche Name dieses brasilianischen Musikers ersparte seiner Platte fast den Titel. Versteckt liest man "Especial", behauptet also etwas Besonderes, aber er könnte auch "Alte Bekannte" heißen, denn denen gibt sich der Musiker hier mit angenehmer Zurückhaltung hin: mit einer ruhigen, sämigen, dem Gesang ohne akrobatische Figuren dienenden Stimme und einfachem Gitarrenspiel. Zwar hört man vorher und nachher ein enthusiastisch applaudierendes Publikum, aber in Wahrheit veranstaltet er ein kleines Kammerkonzert, als dessen passenden Raum man getrost das eigene Wohnzimmer ansehen kann. In einem der Stücke ("Chega de saudade") hört man auch seine Tochter Bebel mit einfacher Stimme singen, in einem anderen ("Jou Jou Balandangans") die Sängerin Rita Lee. Alle drei bewegen sich mit der gleichen Gelassenheit, und so glaubt man – die ziemlich banal instrumentierten Stücke beiseite – eine Art von Volksliedern vor sich zu haben. (WEA K 91 032)

Manfred Sack

Hörenswert

Fredrik Vahle und Gruppe: "Der Friedensmaler". "Ach, wäre doch der Ronald ein Kellner bei MacDonald!" Nicht alle Lieder auf dieser Schallplatte schlagen diesen politisch-parodistischen Ton an, lavieren aber in bedenklicher Nähe eines heiklen, allzu rührseligen Sounds. Gleichwohl: Im ganzen gibt Fredrik Vahle, Germanist, Liedermacher und engagierter Autor für Gebrauchspoesie, mit den Chansons und Balladen auf dieser Platte ein überzeugendes Beispiel, daß sogenannte Kindermusiken nicht das Dideldum aus dem Schrebergärtchen der Schulmusiker bleiben müssen. Vahle singt von den eingebildeten und den tatsächlichen Bedrohungen und führt das, kundig und unkonventionell arrangiert von Günther Lehr, mit vielen Instrumenten vor. Mit List und Lust lehrt er seine Hörer, daß man sich vor Hexen, Gespenstern und Dracula, der auf dem Friedhof Blutwurst kaut, nicht zu fürchten braucht, sehr wohl aber vor Raketenlagern, radioaktiven Wolken, vor Kriegen, angemaßter Autorität, Untertanengesinnung und der Neutronenbombe, macht aber nicht den Fehler mancher sogenannter linker Liedermacher, das Lied zum Nothelfer, plumper politischer Agitation zu desavouieren (Verlag pläne, 88 311).

Ute Blaich