Die Unterschiede könnten größer nicht sein. Dort die kahlen San-Gabriel-Berge in südkalifornischer Sonne, hier der Stephansberg im fränkischen Nebel. Dort am Fuß der Berge ein quirlendes Großforschungszentrum, eine Betonburg mit trostlosen Fluren. Hier auf dem Hügel eine ehrwürdige, ruhige Sternwarte mit großen Treppenhäusern und knarrenden Holzfußböden. Zwischen Pasadena dort und Bamberg hier liegen nicht nur Welten, sondern auch ein Komet.

Der Schweifstern Halley, kürzlich mit dem frisch geputzten Fünf-Meter-Teleskop auf dem Mount Palomar zum erstenmal seit 70 Jahren wieder gesichtet, hat es beiden Häusern angetan. Ray Newburn vom Jet Propulsion Laboratory in Pasadena und Jürgen Rahe von der Remeis-Sternwarte in Bamberg sind die Leiter eines internationalen Projektes, das sämtliche wissenschaftliche Aktivitäten während der Wiederkehr des Kometen Halley koordiniert.

Die Astronomen brauchten den großen Aufwand nicht zu treiben, wäre der nur fünf Kilometer große kosmische Trabant ein normales Kind der Sonne. Doch sie glauben, daß die Kometen die letzten unverdorbenen Überbleibsel aus den Urzeiten des Sonnensystems vor mehr als vier Milliarden Jahren sind (siehe ZEIT 34/81).

Und da bieten sich solche Objekte geradezu an, die Entstehungstheorie von Sonne und Planeten vor Ort zu überprüfen. Der Halleysche Komet wurde für das Großprojekt ausgewählt, weil er der älteste bekannte Schweifstern ist. 76 Jahre braucht er für einen Umlauf um die Sonne. Schon 28mal konnte er in Sonnennähe gesichtet werden. Die erste bekannte Beobachtung datiert um 240 v. Chr.

Beim letzten Durchgang im Jahr 1910 wurde Halley intensiv erforscht und seine Bahn um die Sonne exakt bestimmt. Tatsächlich fand der amerikanische Doktorand David Jewitt vor wenigen Wochen den winzigen Lichtpunkt mit dem Palomar-Teleskop – nur acht Bogensekunden von der berechneten Position entfernt im Sternbild Kleiner Hund. Eine so geringe Abweichung läßt sich mit dem bloßen Auge nicht mehr erkennen.

Halley ist jetzt mehr als eine Milliarde Kilometer von der Erde entfernt. Es wird noch etwa drei Jahre dauern, bis auch Laien ihn am Nachthimmel erspähen können. Dann hat sich der tiefgefrorene kleine Schneeball zu einem wahren Monster aufgeplustert. Die Sonnenstrahlen erwärmen den Kometenkern soweit, daß Material von seiner Oberfläche verdampft. Der Sonnenwind, ein Strom geladener Teilchen aus dem Muttergestirn, bringt die verdampften Stoffe zum Leuchten und treibt sie als gewaltigen Schweif ins All, immer von der Sonne weg und unabhängig von der Flugrichtung des Kometen.

"Zur Zeit laufen die Beobachtungen langsam an", kommentiert Koordinator Rahe. "Zunächst muß die Wiederentdeckung auf dem Mount Paloman von anderen Sternwarten bestätigt werden."