Aber noch zeichnet sich keine dauerhafte Lösung der polnischen Krise ab

Von Hansjakob Stehle

Rom, im November

Noch vor Wochen schien all das unvorstellbar: Ein Lech Walesa, der aus seiner Verbannung "nicht auf den Knien", auch nicht Tribun einer auferstandenen Solidarność und doch mit der Geste eines – versöhnlich gestimmten – Siegers nach Danzig zurückkehrte. Ein Jaruzelski, der mit Hilfe des katholischen Primas den Generalstreik am 10. November nahezu verhindern, wenn auch nicht das Gemisch aus Zorn und Resignation im Lande entschärfen konnte; der in Nowa Huta jedoch die Hinterbliebenen eines erschossenen Demonstranten aufsucht, ehe er zum Begräbnis Breschnjews nach Moskau reist.

Der historische Zufall des sowjetischen Führungswechsels hat den Polen auch eine äußere Atempause verschafft. Und dies genau in dem Augenblick, da sich zum erstenmal in der Starre, mit der sich Regime und Nation belagern, etwas zu bewegen beginnt. Doch was und wohin?

Die Untergrundführer von Solidarność blieben tagelang sprachlos. Ihnen war freilich nicht entgangen, daß die meisten ihrer Anhänger den um Wochen verschobenen Generalstreik gegen das Solidarność-Verbot für strategisch falsch, aber auch praktisch für allzu kostspielig hielten. Familienvätern, die in militarisierten Betrieben bei der Arbeitsniederlegung ihre ohnehin karge Existenz riskierten, ist kein Heroismus zuzumuten für einen Aufstand, dessen Ziele im verminten Niemandsland zwischen Wunsch und Wirklichkeit liegen.

Evangeliums-Strategie des Friedens