Von Manfred Lennings

Seit Herbst 1979 tritt unsere Wirtschaft auf der Stelle. Die Stagnation hat ihre Wurzeln in tiefgreifenden strukturellen Veränderungen unserer gesamten Wirtschaft; sie ist aber zu einem wesentlichen Teil selbst verschuldetes Schicksal. Die schlimmste strukturelle Verzerrung liegt darin, daß die Investitionen deutlich an Terrain verloren haben. Der Anteil der Anlageinvestitionen am Bruttosozialprodukt ist von 24,2 Prozent im Jahre 1970 auf nur noch 20,8 Prozent im Durchschnitt der Jahre 1976 bis 1981 zurückgefallen. Im laufenden Jahr wird sie erstmals in der Nachkriegszeit die Zwanzig-Prozent-Marke und damit auch den bisherigen Tiefststand des Jahres 1976 unterschreiten.

Die Folgen liegen auf der Hand: Das Durchschnittsalter unserer Anlagen wächst, die Produktivität verschlechtert sich und die Kapazitäten bleiben hinter den mittelfristigen Wachstumserfordernissen zurück. Demgegenüber stieg die Staatsquote von 39,1 Prozent im Jahre 1970 auf 49,8 Prozent im Jahr 1981, und 1982 dürfte sie erstmals seit Gründung der Bundesrepublik Deutschland die Fünfzig-Prozent-Marke übersteigen. Die Sozialleistungsquote allein nahm von 1970 bis 1980 von 25,7 Prozent auf 32 Prozent zu.

Staats- und Sozialleistungsquote signalisieren auch, daß sich die Zahl der öffentlich Bediensteten und die staatlichen Aktivitäten überhaupt beträchtlich ausgeweitet haben. Das ganze Ausmaß der staatlichen Regulierung zeigt sich im Anwachsen der Seitenzahl des Bundesgesetzblattes von 826 Seiten im Jahr 1950 auf 1728 Seiten im Jahn 1960 und schließlich auf 2092 im Jahre 1981. Zu den durch die Gesetzes- und Verordnungsflut entstandenen Verwaltungskosten der Unternehmen kommen beträchtliche Lasten einer Bürokratieüberwälzung hinzu. Eine Fülle von Verwaltungsaufgaben, die eigentlich in den Aufgabenbereich der öffentlichen Verwaltung gehören, sind den Unternehmen übertragen worden.

Die Lohnquote hat 1981 mit 74,3 Prozent einen Nachkriegsrekord erreicht. Die bereinigte Lohnquote entwickelte sich in der Tendenz ähnlich. Entsprechend schlecht ist es um die Unternehmensgewinne bestellt. Sie liegen gegenwärtig um mehr als vierzig Prozent unter dem Stand des Jahres 1970. Aus einer solchen Umverteilungspolitik können keine dynamischen Impulse erwachsen. Die Folge dieser Entwicklungen sind

  • eine Netto-Umsatzrendite von nur noch einem Prozent,
  • eine Eigenkapitalrendite von nur fünf Prozent für die industriellen Aktiengesellschaften und
  • eine Eigenkapitalausstattung, die nur noch bei etwa zwanzig Prozent der Bilanzsumme der deutschen Unternehmen liegt.

Der Anteil der Bundesrepublik Deutschland am Welthandel ist zwischen 1970 und 1981 von zehn auf 8,6 Prozent gesunken, während der Anteil Japans von 5,9 auf 7,5 Prozent gestiegen ist. Auch bei den Investitionsgütern, die das Rückgrat des deutschen Exports bilden, hat ihr Anteil sinkende Tendenz. Japan dagegen konnte seine Position auf diesem Felde um fünf Punkte auf 13,9 Prozent ausbauen. Noch deutlicher kommt unsere abgeschwächte Wettbewerbsfähigkeit in den Importquoten zum Ausdruck. So ist die Importquote des verarbeitenden Gewerbes von 1970 bis 1981 von 15,1 auf 23,5 Prozent, speziell im Investitionsgütersektor von 13,5 Prozent auf 23,4 Prozent gestiegen.