Aus einem für sie wichtigen Anlaß schrieb eine Nürnberger Schülerin dem Bundeskanzler Helmut Kohl einen Brief. Das Bundeskanzleramt antwortete ihr. Der Briefwechsel ist ein aufschlußreiches Beispiel eines Dialogs mit der Jugend.

"Sehr geehrter Herr Bundeskanzler

Dr. Helmut Kohl!

Zuerst möchte ich Ihnen recht herzlich zu Ihrer Wahl am vergangenen Freitag zum Bundeskanzler gratulieren. Leider verlief für mich dieser Tag nicht so erfolgreich wie für Sie.

Als politisch interessierte Jugendliche verfolgte ich die Bundestagsdebatte, die von vielen Parlamentariern und Kommentatoren als "große Stunde des Parlaments" bezeichnet wurde, während einer Maschinenschreibstunde in der Schule. Schließlich gab es in der Geschichte der Bundesrepublik bisher nur ein konstruktives Mißtrauensvotum!

Diese äußerst spannende Debatte, die mit Ihrer Wahl zum Bundeskanzler endete, hat nun dazu geführt, daß ich von der Schule wegen unerlaubtem Fernbleiben vom Maschinenschreibunterricht eine Direktoratsstrafe bekommen soll. Ich finde das ungerecht!

Hier wird einem jungen Staatsbürger das Interesse an Politik nicht nur ausgetrieben, nein, er wird auch noch dafür bestraft.