Von Bärbel Schön

Als ich das erste Mal den Begriff "Frauenstudien" hörte, war ich skeptisch bis entsetzt, Ich wollte "normal" wissenschaftlich arbeiten, wollte meinen Beitrag dazu leisten, daß Frauen überall forschen und lehren, in allen Fächern, an den gleichen Ansprüchen und Maßstäben gemessen wie Männer.

Meine konkreten Erfahrungen in der Hochschule, die Erfahrung, daß meine Arbeit und meine Probleme als Frau und Mutter nicht einmal in den Erziehungs- und Sozialwissenschaften thematisiert wurden, eröffneten mir den Blick dafür, daß es nicht genügt, wenn Frauen in die Hochschullaufbahn eindringen. Frauen müssen vielmehr die Wissenschaft selbst und die Hochschule verändern. Wie das möglich ist, zeigen:

Renate Duelli Klein, Maresi Nerad, Sigrid Metz-Göckel (Hg.): Feministische Wissenschaft und Frauenstudium. Ein Reader mit Originaltexten zu Women’s Studies; im Selbstverlag der Arbeitsgemeinschaft für Hochschuldidaktik, Hamburg 1982, 361 S., 30, - DM.

Der Band zeigt am Beispiel der USA auf, wie "Women’s Studies" (Forschung und Lehre von Frauen, mit Frauen, für Frauen) entstanden sind, was sie bedeuten, welche Veränderungen sie in den amerikanischen Hochschulen bewirkt haben, welche Zukunftsperspektiven sie eröffnen. Dies nachzuvollziehen ist für uns als "Entwicklungsland" in dieser Hinsicht wichtig, nicht um es zu imitieren, aber doch, um den Blick dafür zu schärfen, was in der Bundesrepublik notwendig ist.

Die Entwicklung von Women’s Studies in den USA zu begreifen ist oft nicht ganz leicht, weil sich das amerikanische Hochschulsystem erheblich von unserem unterscheidet. Gerade darum ist es verdienstvoll, diese Thematik aufzugreifen und für deutsche Leser zugänglich zu machen.

Die Wissenschaftlerinnen haben Pionierarbeit geleistet: Sie haben nicht nur die auch in den USA noch verstreuten Einzelbeiträge zusammengestellt und übersetzt. Sie haben auch ausführlich dargestellt, auf welchem Hintergrund man die amerikanische Entwicklung begreifen muß und welche Perspektiven sich bei uns eröffnen können, wenn es gelingt, das patriarchalische System an den Hochschulen aufzubrechen. Sie wissen, daß feministische Wissenschaft in der verkrusteten, bürokratisierten, durch fehlendes Geld und fehlende Arbeitsplätze gelähmten und lähmenden Universitätsstruktur der Bundesrepublik neue und begeisternde Wege und Umwege eröffnet oder eröffnen könnte.