Die Geschäfte mit dem CDU-Politiker haben für den Wohnungsbau-Konzern ein Nachspiel

Im April dieses Jahres berichtete der Hamburger stern unter der Schlagzeile „Warmer Regen für Herrn Grundmann“ über sechsstellige finanzielle Vergünstigungen der Neuen Heimat Nordrhein-Westfalen (NHNRW) an den damaligen Vizepräsidenten des Düsseldorfer Landtags und Vorsitzenden des Verwaltungsrates des Westdeutschen Rundfunks, Konrad Grundmann (CDU), beim Bau eines Eigenheims in Münstereifel.

Noch im April ordnete der als Aufsichtsbehörde für die NHNRW zuständige Düsseldorfer Regierungspräsident Achim Rohde (FDP) eine Sonderprüfung durch den „Verband rheinischer Wohnungsunternehmen GV“ an. Er sollte vor allem klären, ob der ohnehin schon nicht mehr über alle Zweifel erhabene Status der Gemeinnützigkeit der Neuen Heimat durch die Geschäfte mit Konrad Grundmann berührt werde. Am vergangenen Wochenende flatterte den Düsseldorfer NH-Managern per Einschreiben das endgültige Überprüfungsergebnis auf den Tisch, in dem Rohde schwere Organisationsmängel aufzeigt und im Wiederholungsfall den Entzug der Gemeinnützigkeit androht.

Im Hintergrund des Falls steht der Verkauf des von der Gemeinnützigkeit NH Wohnspar jahrelang mit hohen Verlusten betriebene „Seniorenzentrum Münstereifel Gemeinnützige Gesellschaft mbH“, an den von Grundmann für diesen Zweck gegründeten „Verein zur Betreuung älterer Mitbürger e. V.“ Die wesentlichen Verhandlungen führte Grundmann 1967 mit Friedrich Riedels, damals Vorsitzender des Aufsichtsrats der NH Essen, dem auch Grundmann angehörte. Riedels war überdies Mitglied des Aufsichtsrats der NHNRW und im Vorstand der Hamburger Zentrale zuständig für die NH-Gesellschaften der Region West. Im Gegenzug beauftragte Riedels die Neue Heimat NRW mit der Betreuung eines Bauvorhabens, das die Errichtung von drei Fertighäusern vorsah – eines davon war für Grundmann bestimmt.

Noch bevor der separat abgeschlossene Betreuungsvertrag für die Grundmann-Immobilie mit einem Festpreis von 261 800 Mark am 8. November 1977 unterzeichnet war, gingen die NH-Manager schon ans Werk: Sie stellten den Bauantrag, schalteten einen Architekten ein, vergaben Aufträge zur Vorfertigung des Kellers und zur Lieferung und Montage des Fertighauses. Konsterniert wandten sich der damalige Abteilungsleiter Finanwandten Peter Strate, und Bauleiter Werner Gronau in einem Vermerk vom 26. Oktober 1977 an die Düsseldorfer Geschäftsführung: „Zweifelsohne“ handele es sich hierbei um eine „gesondert zu handhabende Maßnahme“, mutmaßten die Herren. „Dennoch wird die Geschäftsführung höflich gebeten, die für einen ordnungsgemäßen Geschäftsablauf erforderlichen Weisungen und Entscheidungen zur Vorbereitung und Durchführung der Maßnahme zu erteilen.“

Nachdem Grundmann das Fertighaus am idyllischen Otterbachweg Mitte Januar 1978, zwei Monate nach Baubeginn, bezogen hatte, reklamierte er eine Reihe von Mängeln, deren Gewährleistung bei der Vertragsabwicklung nicht klar geregelt worden war. Daraufhin bot ihm die Neue geregelt eine Kaufpreisminderung um 41 800 Mark auf 220 000 Mark an, die Grundmann am 30. Mai 1978 bezahlte.

Bereits 1979 teilte der zuständige Prüfungsverband der NHNRW mit, daß er den mit Grundmann abgeschlossenen Betreuungsvertrag im Sinne des Gesetzes über die Gemeinnützigkeit für bedenklich halte. Er bat, den durch die Herabsetzung des Festpreises – die er nur teilweise für gerechtfertigt hielt – und den Verzicht auf das Betreuungsgeld verursachten Schaden in Höhe von insgesamt 37 500 Mark zu ersetzen. Dies wurde auch 1979 von der nicht gemeinnützigen Neuen Heimat Städtebau als Lieferant des Fertighauses erledigt. Der Grundmann gewährte Preisnachlaß sei allenfalls in Höhe von 11 800 Mark gerechtfertigt, befanden die Prüfer damals.