Hamburg: "Hamburgische Secession 1919-1933"

Es ist leichter zu sagen, was die Secession nicht war, als ihren Stil eindeutig zu rubrizieren. Die Secessionisten, Maler wie Bildhauer, waren keine Surrealisten oder gar, Dadaisten, keine Anhänger der abstrakten (absoluten) Kunst, keine Konstruktivisten, nicht einmal Mitläufer der Neuen Sachlichkeit. Sie setzten sich auf individuelle Weise mit dem Expressionismus auseinander, der vom Publikum noch gar nicht als selbstverständlich akzeptiert war, und mit dem Kubismus. Sie waren passionierte Gegner akademischer und dogmatischer Beschränkungen. Sie wollten, jung und unternehmungslustig, dem als unwirtlich empfundenen geistigen Klima Hamburgs eine Existenz- und Produktivitätsbasis abtrotzen, wie man sie neidvoll in Berlin, München und Paris beobachtete. Es gab zweifellos, wie Helmut R. Leppien in einer Einführung zu der vortrefflichen Ausstellung betonte, Gemeinsamkeiten: eine, flächige Malweise, die zur Abstraktion tendiert, (zum Teil) gedämpfte Farben, melancholische Stimmungen. Es gibt verblüffende Ähnlichkeiten, zuweilen ist der Charakter einer Landschaft von Eduard Bargheer (1901-1979) wie der einer Arbeit von Fritz Kronenberg (1901-1960). Eine "Traumvilla" von Otto Fischer-Trachau (1878-1958) ist einem "Russischen Stilleben" der aus St. Petersburg stammenden Alexandra Povorina (1885-1963) verwandt. Andererseits gehen scharfe Trennlinien mitten durch ein einziges Œuvre. Die 1933 gemalte "Place de la Concorde" von Bargheer ist sehr weit von Bargheers (hier nicht gezeigten) Ischia-Bildern späterer Jahre entfernt. Anders verhalten sich auch die "Westler" Friedrich Ahlers-Hestermann (1883-1973) und Ivo Hauptmann (1886-1973), die mit der Pariser Kunstwelt liiert waren. Zwei tüchtige Maler der Secession, die nach dem Zweiten Weltkrieg wiedererstand, leben noch in Hamburg, Arnold Fiedler (geb. 1900) und der aus Hessen stammende Willem Grimm (geb. 1904). Im März 1933, anläßlich ihrer 12. Ausstellung, wurde der Secession ihre Struktur verübelt. Zwar wurde der (durchaus anwendbare) Begriff "Entartete Kunst" erst später ins unlautere Spiel gebracht (man produzierte in Deutschland damals artige Kunst, was fast ein Widerspruch in sich selbst ist), er wurde der Secession 1933 nicht vorgeworfen. Ihr wurde aber zugemutet, jüdische Mitglieder zu verbannen, was sie nicht tat, statt dessen verkündete sie freiwillig die Auflösung. Die Secession, die verschiedentlich Gäste zu ihren Ausstellungen einlud – Picasso, Klee, Kandinsky, Jawlensky, Mirò, Baumeister und andere –, hatte schon in der ersten Stunde proklamiert: "Unduldsamkeit herrschte, als es galt, die Abtrennung vom leichtfertigen Schlendrian, vom geistlos herabgeleierten Handwerk, vom gewissenlosen Sieh-gehen-Lassen vorzunehmen." Das war das eigentliche Programm der Secession. (Galerie Pro Arte bis 22. Dezember, Katalog 5 Mark) René Drommert

Wichtige Ausstellungen

Baden-Baden: "Yves Tanguy – Europäische Retrospektive" (Staatliche Kunsthalle bis 2. 1. 1983, Katalog 38 Mark)

Berlin: "Stadt und Utopie" (Neuer Berliner Kunstverein in der Staatlichen Kunsthalle bis 28. 11., Katalog 20 Mark)

Berlin: "Kunst wird Material" (Nationalgalerie bis 5. 12., Katalog 35 Mark)

Berlin: "Zeitgeist – Internationale Kunstausstellung Berlin 1982" (Martin-Gropius-Bau bis 16. 1. 1983, Katalog 38 Mark)