Der Griff zum Lunchpaket ist Lufthansa-Passagieren zur lieben Gewohnheit geworden, schließlich ist die Futtertüte das einzige, was auf innerdeutschen Flügen an Eßbarem geboten wird – zumindest in der Economyklasse. Zu gewissen Zeiten jedoch ist dieser Service keine Selbstverständlichkeit: Bereits um neun Uhr wartet man auf ein Frühstück vergebens.

Nicht nach Lust und Laune verteilt die Lufthansa die Henkeltüten, sondern hält sich an feste "Essenszeiten", über die sie im Flugplan auf den Seiten 19 bis 23 Aurschluß gibt. Gatebeutel, wie die Päckchen im Fachjargon heißen, gibt es morgens von der jeweils ersten Maschine an bis exakt 8.30 Uhr. Die Brötchen für den Mittag liegen zwischen 12 und 14 Uhr in den Regalen, Abendessen gibt es zwischen 18 und 20 Uhr.

Dieser "Speiseplan" ist in der Praxis freilich etwas komplizierter: So bekommen zum Beispiel Passagiere, die mit der LH 946 um 11.15 Uhr von Hamburg nach Stuttgart fliegen, bereits ihre Mittagstüte in die Hand gedrückt, weil sie zur Lunchzeit in der Luft sind. Doch auch wenn für den gebuchten Flug ein Imbiß eingeplant ist, sollte man zur Sicherheit schon vorher eine Kleinigkeit im Magen haben – vor allem, wer von München aus startet. Klagen über fehlende Freßpakete, so räumt der Sprecher der Lufthansa, Klaus Busch, ein, kommen nämlich vor allem aus der bayerischen Landeshauptstadt. Der Grund: Hier werden die Abfertigungsgates besonders kurzfristig gewechselt, das Catering-Personal wird von der Änderung jedoch zu spät oder überhaupt nicht unterrichtet. Diesen Mißstand hat die Fluggesellschaft erkannt und will ihn baldmöglich beseitigen.

Wer trotzdem einmal keinen gefüllten Plastikbeutel vorfindet, obwohl im Flugplan verzeichnet, kann sich in seiner Not auch an die Counter-Damen wenden. Busch: "Sie sind unter anderem auch dafür da, fehlende Gatebeutel zu beschaffen." Und auch die Stewardessen könnten, solange die Maschine noch am Boden ist, meist noch etwas gegen den Hunger ihrer Fluggäste unternehmen.

Ein weiterer Grund für leere Regale sind oftmals die Passagiere selbst. Busch: "Weil die Mousse au chocolat so gut ist, packen manche gern zwei oder gar drei Imbißtüten ein. Auch als Mitbringsel für die Kinder daheim sind sie recht beliebt."

Natürlich ist die Fluggesellschaft mit den Futtertüten nicht pingelig. Dennoch hat sie für eine gerechte Verteilung an jeden Kunden zu sorgen. Allein die Erster-Klasse-Passagiere müssen sich um derlei "Beutel-Schneiderei" keine Gedanken machen. Sie bekommen ihr Essen serviert – jeder eines.

Brigitte Wolter