Sobald davon ausgegangen werden könne, daß auch die aus den voraussichtlich am 6. März 1983 stattfindenden Wahlen zum Bundestag hervorgehende Regierung wieder von der CDU/CSU und FDP getragen werde, müsse mit einer "explosionsartigen" Aufwärtsbewegung der deutschen Aktienkurse gerechnet werden. Diese Voraussage machte kürzlich Wolfgang Reuter, Geschäftsführer der Union-Investment-Gesellschaft. Damit stimmt er mit der Mehrzahl der Kapitalmarktexperten überein.

Wer diese Hausse von Beginn an erleben will, muß vorher am Aktienmarkt eingestiegen sein. Denn bei der an den deutschen Börsen herrschenden Marktenge wird es später schwierig werden, zu preiswerten Kursen die gewünschten Aktien zu bekommen. Weil das so ist, sind die Märkte bereits jetzt ins politische Fahrwasser geraten. Deutlich war dies am Wochenende zu merken, als das Kaufinteresse überraschend anschwoll. Ein Teil der risikobewußten privaten Bankkundschaft hatte Mut gefaßt.

Aus der Tatsache, daß der SPD-Kanzlerkandidat Hans-Jochen Vogel sich gegen ein Bündnis mit den Grünen ausgesprochen hat und die Grünen ihrerseits keinen Kanzler wählen wollen, wird in den Börsensälen der Schluß gezogen, daß Bundeskanzler Kohl eine reale Chance hat, über den März 1983 hinaus regieren zu können. Das regte zu Meinungskäufen an.

Daß davon die sogenannten "Unionsaktien" am meisten profitieren, hat nicht überrascht. Dazu gehören die Papiere von Unternehmen des Kommunikationsbereiches (auch Kabelproduzenten) und Bau- und Hypothekenbankwerte.

Die Konjunktursorgen werden neuerdings verdrängt. Und daß die Renditen am Kapitalmarkt zur Zeit nicht steigen, gilt lediglich als Schönheitsfehler. Mittelfristig, so wird gesagt, wird die Zinssenkung weitergehen. Nur müsse die amerikanische Notenbank den nächsten Schritt tun. Im Augenblick ist der Rentenmarkt jedoch verstopft. Die letzte 7 3/4prozentige Bundesanleihe wird um einen Prozentpunkt unter ihrem Emissionskurs gehandelt. Die nächste Emission, sollte sie marktgerecht ausgestattet sein, müßte wieder als Achtprozenter angeboten werden.

Ein Zeichen für die im Grunde gute Verfassung des Aktienmarktes war die glatte Abwicklung des Bezugsrechtes der Deutschen Bank. Es hat den Markt zu keiner Zeit belastet. Ob es dennoch unplazierte junge Aktien gibt, wird sich spätestens dann zeigen, wenn bei einer eventuellen weiteren Erholungsbewegung der Bank-Aktien der Kurs der Deutschen Bank nachhinkt. K. W.