Iran rechnet noch immer mit einem Sieg gegen den irakischen Staatschef

Von Andreas Kohlschütter

Der Führer der islamischen Nation, Imam Chomeini, läßt sich durch nationale Grenzen nicht einengen", meinte der iranische Staatspräsident, Ali Khamenei, ominös. Das war im Juli, als das Ajatollah-Regime im Rahmen der "Operation Ramadan" – erstmals in dem seit September 1980 tobenden Golfkrieg – zum Angriff auf irakisches Territorium blies. Ende Oktober erteilten die Teheraner Führer einer angereisten islamischen Friedensmission wiederum eine schonungslose Absage und starteten eine neue Offensive gegen irakisches Gebiet. "Operation Muharram", in Erinnerung an den Märtyrertod des von den Sunniten im siebten Jahrhundert bei Kerbala erschlagenen Schiiten-Heiligen, und Propheten-Engel Hussein.

Im Zeichen solch verbitterter Reminiszenzen und Wiedergutmachungsgelüste, die es im Iran auch nach dreizehn Jahrhunderten immer wieder anzufeuern gelingt, kam der Kriegsruf nach dem "Marsch auf Kerbala und Bagdad wieder hoch. Präsident Khamenei forderte den Sturz des irakischen Staatschefs Saddam Hussein: "Er ist ein Kriegsverbrecher, der um des Friedens am Golf und im Nahen Osten willen bestraft werden muß." Das sei eine unverzichtbare Forderung. Der Iran werde, so Khamenei, den Krieg auch dann nicht beenden, wenn die beiden anderen Bedingungen Teherans erfüllt würden: der totale Rückzug der irakischen Truppen vom iranischen Boden und die Zahlung von Kriegsreparationen in der astronomischen Höhe von 150 Milliarden Dollar.

Dabei stellten die jüngsten, von Bagdad gutgeheißenen islamischen Friedensvorschläge nach Ansicht aller Beobachter den besten Handel dar, den Sich die Teheraner Ajatollahs erhoffen können; auch die äußerste Grenze für Saddam Hussein, dem eine Zustimmung zur Selbstliquidierung seines Regimes nicht zuzumuten ist. Vorgesehen war: erstens der vollständige Rückzug beider Armeen auf die 1975 im Abkommen von Algier festgelegten Grenzpositionen, die Saddam Hussein kurz vor seiner: offenen Aggression; gegen den Iran im September 1980 leichtsinnigerweise für null und nichtig erklärt hat;

zweitens die Einsetzung einer islamischen Untersuchungskommission zur Identifizierung und Verurteilung des Angreifers;