Deutsche Schlösser und Paläste sind durch, deutsche Seen, deutsche Wälder, deutsche Hügel kauft auch keiner mehr, deutsche Großstädte und deutsche Kleinstädte waren ein Erfolg – bliebe also noch: deutsche Dörfer. Und damit sich sonst keiner mehr in die Marktlücke drängeln kann, hat der Westermann Verlag gleich geklotzt: Auf 380 Seiten werden hier über neunzig Dörfer aufgebaut, nach Landschaften und Bundesländern fein säuberlich sortiert.

Die rund dreißig Autoren sind Professoren für Kunstgeschichte und Landschaftsgestaltung, Architekten und Diplomingenieure. Ob es daran liegt oder daran, daß Westermann auch Schulbücher herausgibt – das Buch ist, wenn auch nicht uninteressant in seiner Anlage, so pedantisch wie umfangreich.

Zwar gibt es immerhin gleich zu Beginn ein bißchen Theorie, das deutsche Dorf im Allgemeinen und „Vom autarken Hof zum modernen Landwirtschaftsbetrieb“ mit viel Statistik garniert – aber dann reiht sich von Nord nach Süd, von West nach Ost in monotoner Folge Dorf an Dorf: ein bißchen Chronik, ein bißchen Architekturgeplauder, ein paar Problemchen angetippt. Das alles in einem Stil, der das Buch als Schlafmittel geradezu rezeptpflichtig macht.

Die Entwicklung des Dorfes Wolfersheim nach 1945 zum Beispiel wird „wie folgt“ beschrieben: „Die Dorfstraße wurde 1956 ausgebaut, das Ehrenmal 1960 erneuert, 1964 wurden Bürgersteige angelegt, 1972 folgte der Bau der Friedhofshalle und die Neugestaltung des Friedhofs. Seit der Gebiets- und Verwaltungsreform von 1974 ist die gemeindliche Selbstverwaltung zu Gunsten der Stadt Blieskastel aufgehoben.“

So aufregend der Ton, so atemberaubend fiel auch die Bebilderung aus. Halbseitige Postkartenansichten wechseln mit kleinformatigen Prospekt-Illustrationen, dazwischen eingestreut belehrende Bildchen in Briefmarkengröße: Torbögen und Giebelformen. Es scheint, als habe sich der Herausgeber zwischen Bildband und Lexikon nicht recht entscheiden können. Menschen jedenfalls wohnen in diesen deutschen Dörfern keine.

Deutsche Dörfer, Hrsg. Professor Wilhelm Landzettel, Georg Westermann Verlag, Braunschweig 1982, 68 Mark.

Benedikt Erenz