Verbietet Spraydosen!

Inschrift, Sprühschrift auf der Berliner Mauer – aus dem schönen Bildband "Spray-Athen. Graffiti in Berlin"; erschienen in der Rixdorfer Verlagsanstalt

Peter-Paul Zahl entlassen?

Der 1974 von einer Düsseldorfer Strafkammer zu vier, 1976, nach Revision durch die Staatsanwaltschaft zu fünfzehn Jahren Haft verurteilte Schriftsteller Peter-Paul Zahl hat am 13. Dezember zehn Jahre seiner Strafe abgesessen. Nun wurde "von Amts wegen" der Antrag auf Entlassung nach zwei Dritteln der erkannten Strafe gemäß § 57, Abs. 1 StGB gestellt. Die Stellungnahme der Haftanstalt, in der Zahl einsitzt, ist äußerst positiv: "... die vorzeitige Entlassung aus der Strafhaft muß zum gegenwärtigen Zeitpunkt uneingeschränkt befürwortet werden." Die Entscheidung, ob P.-P. Zahl – wie eigentlich bei "Erstbestraften mit guter Sozialprognose" üblich – nun entlassen wird, liegt bei der Großen Strafvollstreckungskammer am Landgericht Berlin. Ein früheres Wiederaufnahmeverfahren seiner Anwälte, ein Halbstrafengesuch und diverse Gnadengesuche – wie von Ernesto Cardenal, Jean Genet, Heinrich Böll und der Schaubühne in Berlin (an der Zahl nun im Wege des Freigangs das Regiehandwerk lernt) – wurden von den nordrhein-westfälischen Justizbehörden sowie Ministerpräsident Räu und Justizministerin Inge Donnepp seinerzeit abgelehnt.

Reitet für Deutschland

Josef Neckermann ist ein mutiger Mann – als Unternehmer, Turnier-Reiter und Literaturwissenschaftler; in dieser Eigenschaft nannte er vergangene Woche im Fragebogen des FAZ-Magazins seinen liebsten Romanhelden: Winnetou. In dieser tapferen Annäherung an den Geschmack von Ernst Bloch und Arno Schmidt lag aber auch eine Annäherung an die DDR: Dort tat man sich seit Jahren mit Karl May schwer – die Villa "Old Shatterhand", in der Karl May von 1888 bis zu seinem Tod 1912 gelebt hatte, war zum "Schulhort" umfunktioniert worden – aber das pompösneoklassizistische Grab auf dem Radebeuler Ostfriedhof blieb gepflegt; das Karl-May-Museum, 1936 im Blockhaus "Villa Bärenfett" eingerichtet, wird in "Indianermuseum" umgetauft – aber der Karl-May-Verlag durfte von Radebeul in die Bundesrepublik umziehen. Verlegt wurde Karl May in der DDR nicht. Er galt als Nationalist und weltanschaulich unsicher. Jetzt bekannte man sich in Ost-Berlin als selber "weltanschaulich begrenzt" – der Verlag "Neues Leben" bringt die drei "Winnetou"-Bände auf den Markt. Allerdings nicht zu Neckermann-Preisen: DM-Ost 19,80 pro Band ist ungewöhnlich teuer im Paradies der billigen Bücher.

Rettungsringe für das "unterhaus"

Als sollte der bösen Posse um das Mainzer "Unterhaus" (siehe ZEIT Nr. 46) eine sarkastische Pointe versetzt werden, trug der Förderkreis des Brettls ausgerechnet dem verantwortlichen Direktor der Landesbank, Günther Storch, den Vorsitz an – in einem Verein, der erst durch das unnachsichtige Geschäftsgebaren eben dieses Kreditinstituts notwendig geworden war. Nachdem er abgelehnt hatte, wurde der freie Rundfunkjournalist Hans Jacobshagen, ein Kenner der Mainzer Szene, Für den 17. Dezember ruft der Förderverein zu einem Benefiz-Konzert in die 3000 Plätze große Rheingoldhalle. Konstantin Wecker, Herbert Bonewitz, Klaus Hoffmann, Betty Dorsey mit Band und Bill Ramsey haben ihre Teilnahme angesagt, sicherlich wird die Liste viel länger. Und bis zum 6. Dezember hat das "Unterhaus" sein Programm umgestellt: Mainzer Künstler bekennen sich dort mit ihren Auftritten zu dieser Bühne. Derweil kommt aus Paris die Nachricht, daß der französische Kulturminister Jack Lang im Einkaufszentrum "Forum des Halles" ein Chanson-Theater einzurichten vorhabe, das, vom Staat mit jährlich 150 000 Mark unterstützt, besonders dem Nachwuchs; zugedacht sein wird.