Gallia divisa

Der konservative Figaro wollte wissen, was die Franzosen zweieinhalb Jahre nach dem Wahlsieg François Mitterrands von Regierung und Opposition in ihrem Land halten. "Die Franzosen lehnen die Verstaatlichung ab", überschreibt die Zeitung den ausführlichen Bericht über die von ihr veranlaßte Meinungsumfrage. Das ist etwas überspitzt, wie die Tabellen zeigen: Für die Privatisierung der unlängst verstaatlichten Industrieunternehmen sind freilich 43 Prozent der Franzosen, während 36 Prozent dagegen sind – fast genau umgekehrt sind aber die Prozentzahlen bei der Antwort auf die Frage nach einer möglichen Reprivatisierung der verstaatlichten Banken: 36 Prozent und 44 Prozent. Der politische Meinungsstreit teilt die französische Bevölkerung nach wie vor in zwei gleich große Hälften: Je 40 Prozent der Befragten trauen entweder der regierenden Linken oder aber den liberalen und konservativen Oppositionsparteien eher zu, mit den Problemen der Nation fertig zu werden.

Redseliger General

In Buenos Aires erscheint dieser Tage ein Buch, das in Interviewform die Enthüllungen eines ungenannten "Hauptverantwortlichen" für das gescheiterte Malvinen-Abenteuer enthält. Der Held der Erzählungen ist nach allem, was man weiß, identisch mit dem anonymen Interviewpartner: Expräsident General Galtieri. Er lobt sich in dritter Person als raffinierten Strategen und vorausschauenden Politiker. Die Inseln habe er im Handstreich besetzen lassen, um England endlich zu konkreten Verhandlungen zu zwingen, Er habe aber auch darauf gedrängt, dem UN-Sicherheitsrat zu folgen und vor der übermächtigen britischen Armada zurückzuweichen, um dann eine friedliche Lösung des Konfliktes im Sinne Argentiniens herbeizuführen. Dieses weise Konzept sei an Außenminister Costa Mendez und den Kommandanten von Marine und Luftwaffe gescheitert. Informierte Leute in Argentinien sagen dazu, daß Galtieri im Frühjahr genau den Standpunkt bekämpfte, den er sich heute rückschauend zuschreibt. Aber im Interesse seines Ruhms riskiert der General eben viel – auch ein Strafverfahren wegen Verrats militärischer Geheimnisse.

Ein verlorener Sohn

In deutlichem Abstand von den Spitzenpolitikern in der Gruppe der Freunde und Verwandten des Verstorbenen schritt er am Montag hinter dem Sarg Leonid Breschnjews her: Andrej Kirilenko, der 76jährige Politbürokrat und ZK-Sekretär; der seit zwei Monaten aus der Öffentlichkeit verschwunden war. Noch vor dem Tod seines Mentors Breschnjew war er zur Unperson geworden. Westlichen Korrespondenten war zuvor bedeutet worden, Kirilenko leide an einer heimtückischen Krankheit, die seinen Geist verwirrt habe. In den ersten Tagen nach dem Machtwechsel im Kreml war aus denselben sowjetischen Quellen eine neue Geschichte zu hören: Kirilenko sei seines Sohnes wegen diskreditiert. Der jüngere Kirilenko, ein Naturwissenschaftler, habe sich bei einer Auslandsreise abgesetzt und halte sich in einem westlichen Land verborgen, wahrscheinlich in England. Die westlichen Journalisten wissen, daß ihre Informanten zumeist Agenten des KGB sind, aber das sagt noch nichts über den Wahrheitsgehalt ihrer Mitteilungen. Das Grenzgebiet von Politik und Psychiatrie und die antisowjetischen Machenschaften fremder Geheimdienste gehören schließlich zu den Spezialitäten des KGB.

Ein Original kehrt zurück

Jedes Kind in der Sowjetunion weiß, wie Lenin aussah. Aber die meisten Künstler, von denen die realistischen Lenin-Denkmäler, -Plakate, -Gemälde und -Reliefs stammen, kannten den Begründer des Sowjetstaates nur von Photographien oder von anderen Lenin-Kunstwerken. Jetzt kehrt ein "echter Lenin" in die UdSSR zurück: Eine New Yorker Galerie hat die Bleistiftzeichnung eines Künstlers namens Philip Maliavin aus dem Jahr 1921 entdeckt und an den amerikanischen Botschafter in Moskau verkauft. Sowjetbürger, die das Privileg haben, den Botschafter in seiner Residenz zu besuchen, können demnächst den authentischen Lenin besichtigen.