AEG-Chef Dürr kann jetzt wieder in die USA reisen, ohne sich sorgen zu müssen, daß er womöglich von irgend einem Sheriff eingelocht wird. Nachdem Präsident Reagan die Sanktionen gegen die an dem Bau der sowjetischen Gas-Pipeline beteiligten Firmen aufgehoben hat, können AEG-Kanis und die übrigen Lizenznehmer amerikanischer Patente hoffen, daß der Rubel wieder ungestört rollt.

Der amerikanische Präsident begründete seine Entscheidung damit, daß es Washington gelungen sei, sich mit den Bündnispartnern auf eine "härtere und wirksamere" Strategie im Umgang mit Moskau zu einigen. Damit hält sich Reagen an die Linie seines Außenministers Shultz, der Embargos und Sanktionen als ungeeignete Mittel ansieht, um politische Ziele durchzusetzen.

Unklar ist bislang geblieben, was anstelle der Sanktionen treten soll. Auf ein festes Abkommen, das dem Ost-West Handel einen Rahmen geben soll, haben sich die Allierten offensichtlich noch nicht einigen können. Die Regierung in Paris hat deutlich zu verstehen gegeben, daß Frankreich seine Zustimmung zu einem solchen Rahmenabkommen bisher verweigert hat.

Nach gut französischer Art brät Paris einmal wieder ein Extrawürstchen. Insbesondere sperren sich die Franzosen dagegen, sich auf eine Begrenzung der Kredite und Zinssubventionen im Ost-West Handel zu verpflichten. Die widerspenstige Haltung der Regierung Mitterrand zeigt, daß das von Shultz erdachte Abkommen nicht nur dazu dient, daß Ronald Reagan sein Gesicht wahren kann, vielmehr versucht Washington, die Allierten davon zu überzeugen, daß man im Umgang mit Moskau zwei Mittel braucht: Zuckerbrot und Peitsche. jr.