Sie platzen unerwartet herab, lädieren regelmäßig den Ruf der Meteorologen und mitunter auch Hab und Gut, Leib und Leben der betroffenen Bevölkerung. Was aber verursacht die unvorhergesehenen Wolkenbrüche?

Eine Gruppe englischer Meteorologen glaubt nun eine Antwort gefunden zu haben: zwei Wolken, die sich vereinigen.

Wie die drei Forscher Bennetts, Bader und Marles im Fachblatt Nature berichten, können zwei kleine Wolken bis zu viermal mehr Regen ablassen, wenn sie eins werden. Wie stark die Niederschläge aus dem zusammenströmenden Gewölk sind, hängt von dessen Entfernung voneinander, seinem Entwicklungsstand sowie von der Windrichtung und -stärke ab. Solche Detailkenntnisse gewann das Meteorologen-Trio mit Hilfe eines selbst entwickelten mathematischen Modells. Es erlaubt, das Verhalten von Wolken unter wechselnden Bedingungen per Computer zu simulieren.

Dem Modell zufolge können aufregende Dinge geschehen, sobald zwei Wolken etwa sieben Kilometer voneinander entfernt sind und die Wolke auf der windzugewandten Seite etwas weiterentwickelt ist als die andere. Jede Wolke besitzt einen Kern aus sehr feuchter Luft, der von etwas weniger feuchter und schließlich trockener Luft umgeben ist. Bei gleichmäßig wehendem Wind bewegt sich die reifere Wolke auf die jüngere Kollegin zu und beschützt sie vor der vollen Windstärke.

Dann laufen die Ereignisse rasch ab: Innerhalb von vier Minuten beginnt sich die trockene und die weniger feuchte Luft beider Wolken zu vermischen, wobei zwei getrennte Zonen sehr feuchter Luft im Zentrum verbleiben. In der reiferen der beiden Feuchtzonen formen sich nun Eisteilchen, so wie dies bei der normalen Entwicklung einer einzelnen Wolke zu erwarten wäre.

Weitere vier Minuten später bewegt sich diese eisteilchenhaltige, sehr feuchte Zone mit dem Wind hinauf an das obere Ende der Wolke. Die Eisteilchen sättigen nun die Luft und beginnen zu fallen. Bevor sie jedoch den Boden erreichen, müssen sie die beiden Wolkenzonen mit weniger feuchter Luft passieren. Dabei nehmen sie, einem rollenden Schneeball ähnlich, Wassertröpfchen auf.

Die Eisteilchen einer vereinigten Wolke lagern bei ihrem Fall mehr Wasser an als jene einer Einzelwolke, da sie durch eine sehr viel größere Region weniger feuchter Luft hindurchmüssen. Dies erklärt auch, warum es in der Nähe von Bergen manchmal sehr heftig regnet: Niederschläge aus einer Wolke, die über einen Berg treibt, nehmen mehr Wasser auf, wenn sie durch eine darunterliegende, vom Gebirge aufgestaute Wolke fallen.