Kann man angesichts der steigenden Studentenzahlen den Professoren zumuten, die Zahl ihrer Lehrveranstaltungen zu erhöhen? In der Kultusministerkonferenz, die sich am 18. November in Berlin, mit dem Thema zu beschäftigen hatte, freute man sich über die freiwillige Mehrarbeit eines Professors. Hansjörg Sinn, Chemieprofessor und Hamburger Wissenschaftssenator, hatte sich einen Tag zuvor, also am arbeitsfreien Buß- und Bettag, fernschriftlich an. seine Kollegen aus der KMK gewandt. Nicht, daß der Professsor und Senator Neues zu sagen gehabt hätte. Ausführlich zitierte er einen Artikel über die schlimme Arbeitsbelastung eines Professors aus der Deutschen Universitäts-Zeitung aus dem Jahr 1973:

"... möchte ich bezugnehmend auf H. Sinn, duz 17/73, S. 719, Mittelspalte, folgendes ausführen: ‚Ganz generell wird bei allen Überlegungen zuwenig berücksichtigt der notwendige Aufwand an Zeit... gibt es eine Untergrenze der eigenen wissenschaftlichen Tätigkeit, die dann, wenn sie unterschritten wird, zum totalen Zusammenbruch der eigenen wissenschaftlichen Arbeit führt. Ich begründe dies durch die Auflistung notwendiger Tätigkeiten für Experimentalwissenschaftler (ich wähle meine Person):

– 20 Minuten pro Tag allgemeines Literaturstudium. Ich beziehe neun in vierzehntägigem Abstand erscheinende Zeitschriften, und diese Zeitschriften muß ich mindestens durchblättern ...

– 20 Minuten spezielles Literaturstudium pro Tag. Unter speziellem Literaturstudium verstehe ich das gründliche Lesen...

– 20 Minuten pro Tag brauche ich zur geistigen und innerlichen Vorbereitung dessen, was ich tun möchte.

– 30 Minuten pro Tag sind notwendig, um eine vorzügliche Hilfskraft so einzuweisen, daß sie den ganzen Tag selbständig arbeiten kann ...

-15 Minuten pro Tag sind notwendig, um die Ergebnisse der vorgenannten Hilfskraft entgegenzunehmen ...