Von Gerhard Seehase

Bescheiden trat er auf, der Bernd Schuster, als er nach achtzehn Monaten in den Kreis der Fußball-Nationalmannschaft zurückkehrte. Sehr bescheiden wirkte er auch im Spiel, das die deutsche Elf in Belfast 0:1 verlor.

Als "Spielmacher" annonciert, als einer, der "herrliche Pässe über vierzig Meter schlagen kann", lief der Mann aus Barcelona mit wehendem Schopf am Spiel vorbei. Er wollte den Ball haben, aber holen wollte er ihn sich nicht.

Bernd Schuster in seiner Bescheidenheit wurde nicht akzeptiert von seinen Kollegen, zumindest nicht als "Spielmacher". Das war eigentlich zu erwarten gewesen. Denn zum "Spielmacher" kann man keinen kommandieren. Sonst könnte ja ein Trainer kommen und zu seinem Lieblingsspieler sagen: "Du spielst heute am besten" – und hätte damit immer recht.

Bernd Schuster also fand bei seinen Kollegen weniger Wertschätzung als Mißtrauen. Weshalb auch hätten sie ihn nun plötzlich alle ins Herz schließen sollen? Dennoch hätten sie ihn vermutlich doch akzeptiert, hätte er sich in Belfast, beim ersten Europameisterschafts-Qualifikationsspiel der deutschen elf, zum Herrscher im Mittelfeld aufgeschwungen – aus eigener Kraft. Aber ein mitlaufender Schuster war eben weniger als ein kämpfender Matthäus, ein kämpfender Briegel oder ein kämpfender Strack. Und hatte er sich nicht selbst in den vergangenen Monaten immer wieder als die Ausnahme-Erscheinung des internationalen Fußballs hochstilisiert, dem allemal eine Extra-Wurst gebührt?

Nun haben die Deutschen natürlich nicht allein deshalb in Belfast verloren, weil Schuster wieder brav in den Kreis der Mannschaft zurückgekehrt ist. Aber es ist offensichtlich: Dieses übers Knie gebrochene Comeback des Spanien-Profis, der sich nach seiner Meniskus-Operation selbst noch nicht für hundertprozentig fit hält, löste kein Problem; es schuf eher ein neues.

Bundestrainer Derwall hätte diesen Bernd Schuster sicherlich noch nicht für das Belfast-Spiel aufgestellt, wenn ihm DFB-Präsident Neuberger nicht dreingeredet hätte. Und nun steht der brave Bundestrainer wieder da als einer, der nichts dazugelernt hat und der wie bei der WM in Spanien (damals war es Hansi Müller) wieder einen Mann spielen ließ, der nicht fit war.