Den "frühen Brecht" nahm, unvergessen, der weiland Außenminister Heinrich von Brentano von seinem Verdikt aus, der späte – marxistische – Stückeschreiber erinnere ihn an Horst Wessel; zum Beleg seiner frühen Wertschätzung gab er zwei – späte Gedichte Brechts. Geist und Macht: ein Thema ohne Ende in "diesem unserem Lande". Nun wollte man zu Köln am Rhein, der Heimatstadt des ersten und einzigen Literatur-Nobelpreisträgers der Bundesrepublik, Heinrich Böll, zwar dessen "meisterhaftes literarisches Werk" ehren, indem er als fünfter Kölner – nach Adenauer, Heuss, Theo Burauen, Kardinal Frings und Peter Ludwig – Ehrenbürger werden sollte; allein das Sätzchen in der Ernennungsbegründung "... und dem engagierten Beobachter gesellschaftlicher Fehlentwicklung" durfte nicht sein. So wollte es die CDU im Kölner Rat. Nun besteht aber die Substanz von Bölls Œuvre – vom frühesten Roman zur pamphletistischen Prosa dieser Tage – aus seinem kritischen Impetus. Ähnlich dem Balzac des Bürgerkönigtums hat er mehr die barbarische Wollust des neubürgerlichen "enrichissez-vous" demaskiert, als dem Wohllaut der Worte nachzusinnen. Den Stilisten Heinrich Böll zu loben und seine politische Rebellion zu verschweigen, ist so stillos wie ungebildet.

F.J.R