Innenminister Friedrich Zimmermann ließ jetzt ausrechnen, was die Beamten kosten, die von der früheren Regierung zwischen dem 1. Januar 1969 und dem 1. Oktober 1982 entlassen wurden. Für die Zeit bis zum Beginn des regulären Ruhestandsalters (65 Jahre) muß der Steuerzahler ganz genau 71 086 961,26 Mark zahlen.

Die 35 Beamten, die von der neuen Regierung Kohl zwischen dem 4. und 25. Oktober entlassen wurden, kosten 41 782 184,18 Mark, relativ also sehr viel mehr als die 161 von den Sozialliberalen entlassenen Staatsdiener. Allerdings muß dabei auch berücksichtigt werden, daß die Ruhegehälter vor 13 Jahren niedriger waren als heute.

Im übrigen aber wird es nicht bei den 41 Millionen Mark Ruhegelder für die SPD-Spaziergänger bleiben. Spätestens nach der Bundestagswahl am 6. März wird es einen neuen Entlassungsschub geben. Bleibt die Regierung Kohl im Amt, wird allgemein ein ganz großes Reinemachen erwartet. Kommt hingegen die SPD wieder, müssen die gerade erst beförderten CDU-Beamten ihren Hut nehmen. Diese Sorge um den 6. März war übrigens für manchen CDU-Beamten ein Grund, den angebotenen neuen Hut auszuschlagen.

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Eigentlich war noch in diesem Jahr mit einer halbwegs befriedigenden Aufklärung jener seit etwa – zwei Jahren anhängigen Spendenaffäre um das Haus Flick gerechnet worden, in die alle drei Bonner Bundestagsparteien verwickelt sein sollen. Daraus wird nun nichts mehr. Es ist ziemlich sicher, daß in diesem Jahr keine Anklage mehr erhoben wird oder erhoben werden kann. Es fehlen noch eine ganze Reihe von Äußerungen der verdächtigten und beschuldigten Personen.

Zur Erinnerung: Bei den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft geht es um den Verdacht der Vorteilsnahme (früher Bestechung im Amt) und um den Verdacht der Bestechung. Politiker sollen von Managern des Flick-Konzerns Spenden bekommen haben, die im Gegenzug, so vermuten die Ermittler, steuerliche Vergünstigungen für den Konzern erhalten haben (siehe auch nebenstehender Bericht). Das Verfahren ist Teil eines Komplexes, bei dem es um Spenden geht, die Firmen und Firmenmanager den Bonner Parteien gegeben haben. Dabei haben die Spender ihren Obulus als steuerbegünstigte Ausgaben verbucht, was nun einmal über eine zulässige Summe hinaus kriminell ist, auch wenn’s nicht so gemeint war. Durch die Spenden war man auf Flick und jene steuerbegünstigten Investitionen gekommen, über die Wirtschafts- und Finanzminister damals mitentschieden.

Anfang des Jahres waren sehr viele Einzelheiten über die Flick-Spenden an die Öffentlichkeit gelangt, vor allem wurde der Kreis der Verdächtigten bekannt, darunter Ex-Wirtschaftsminister Hans Friderichs, sein Nachfolger Otto Graf Lambsdorff, die Minister Hans Matthöfer und Manfred Lahnstein. Die ins Rampenlicht gezerrten Politiker reagierten verärgert, weil sie bis dato nicht einmal Akteneinsicht bekommen hatten, damit aber auch keine Gelegenheit, sich zu äußern, geschweige denn die Vorwürfe zu widerlegen.