Von Hanns-Hermann Karsten

Niernand wird 150 Jahre alt, und so hat Wilhelm Busch (geboren am 15. April 1832) 1982 kein weiteres Mal vor seinen Gratulanten die Flucht ergreifen müssen – wie 1902, zu seinem siebzigsten – aus Protest "gegen eine solche Leichenfeier bei Lebzeiten".

Einiges war dennoch traurig und zum Davonlaufen. Zum Beispiel die Meldung der ARD-Tagesschau (am 13. 4. 1982), Busch sei der "Schöpfer so bekannter Figuren wie ‚Max und Moritz ‘ und Schneider Wibbel‘". Und dann der Blick auf den Busch-Büchertisch.

Schon der erste Blick zeigt: das Wichtigste fehlt. Es fehlt die vor zehn Jahren angekündigte "Historisch-kritische Ausgabe der Werke" in zwölf Bänden. Als Vorboten dieser Ausgabe firmierten 1968/69 die "Sämtlichen Briefe", zwei bibliophile Foliobände, damals in 1200 Exemplaren "mit Unterstützung der Stiftung Volkswagenwerk" herausgebracht.

Diese "Sämtlichen Briefe", zwischenzeitlich vergriffen, wurden 1982 wieder aufgelegt: ein Nachdruck in spartanischem Schwarzweiß, ohne farbige bibliophile Extras, dafür aber zum halben Preis.

Und keine Rede mehr jetzt von einer "Historisch-kritischen Ausgabe", natürlich nicht. Denn nunmehr haben wir eine Rezession (aber keine gegen Rezessionen immune "Nationalstiftung"), und die Mäzene von ehedem liegen darnieder und hängen am Investitionstropf.

Aber egal: Wenn’s auch bei VW in Wolfsburg klemmt, die Rotation bei Bertelsmann in Gütersloh läuft noch. Und so wurde denn die 1959 (!) von Bertelsmann-Lektor Rolf Hochhuth für den "Lesering" konzipierte Ausgabe 1982 neu aufgelegt. Zwei Bände Busch-"Readymix", aus Kalkül separat abgefüllt, in jedem Band von allem ein bißchen, "um auch jenen Lesern, die sich nur zum Kauf eines Bandes entschließen, einen Überblick über das ganze Lebenswerk zu vermitteln". (Vermittelt werden auch die Setzfehler von 1959: "Dr. Bohne" ist und bleibt auf Seite 13 "einer der besten Buchkenner Deutschlands"; der Buchkenner merkt: es muß "Busch-Kenner" heißen.)