Von Peter Christ

Für Hellmuth Buddenberg ist die Situation nicht neu: Bei seinem Amtsantritt als Vorstandsvorsitzender der Deutschen BP im Januar 1976 hatte der Ölkonzern gerade das schlechteste Geschäftsjahr seiner Geschichte überstanden, ein Verlust von 277 Millionen Mark verunzierte die Bilanz, ein Drittel des Aktienkapitals war verwirtschaftet. Jetzt, nach fast sieben Jahren unter Buddenberg, hat BP die eigene Firmengeschichte überholt. 1982 wird der umsatzstärkste deutsche Ölkonzern mit einem neuen Rekordverlust von knapp 900 Millionen Mark abschließen. Die Deutsche BP ist damit ein Sanierungsfall.

Wie dramatisch sich die Lage des Unternehmens in diesem Jahr entwickelt hat, zeigt die Hilfsaktion der britischen Muttergesellschaft. Auf einer außerordentlichen Hauptversammlung am Dienstag vergangener Woche erhöhte sie das Aktienkapital der Tochter um 200 Millionen Mark auf 1,5 Milliarden Mark. Trotz dieser Infusion hätte der BP-Vorstand beim Amtsgericht den Verlust von sechzig Prozent des Aktienkapitals anmelden müssen, so steht es im Gesetz. Den peinlichen Gang zum Gericht konnte die Alleinaktionärin ihrer deutschen Filiale nur mit einem Zuschuß von 400 Millionen Mark ersparen, der den Bilanzverlust auf 500 Millionen Mark drückt. An einschneidenden Sanierungsmaßnahmen führt allerdings kein Weg vorbei.

Schon Anfang des Jahres hatte der Vorstand beschlossen, die verlustreiche Rohölverarbeitung in der Ruhrraffinerie einzustellen. 170 Leute werden dort Anfang 1983 ihren Job verlieren. 300 weitere Arbeitsplätze wurden in diesem Jahr schon in der Zentrale gestrichen, Die BP-Vertriebsorganisation wurde neu formiert. Doch diese Maßnahmen reichen noch nicht aus, daß Unternehmen wieder in die Gewinnzone zu bringen. Schon im Sommer zeigte eine von Buddenberg angeforderte Studie, daß in den Raffinerien und Außenbüros noch 600 Stellen eingespart werde müssen. Und am vergangenen Dienstag präsentierte der BP-Chef ein neues „Strukturkonzept“, das dem angeschlagenen Konzern wieder auf die Beine helfen soll.

BP will künftig auf Geschäfte verzichten, die nur Verluste bringen. Vor allem schweres Heizöl will der Konzern nicht mehr verkaufen, sondern stattdessen selbst auf dem Weltmarkt kaufen und zu Benzin und leichtem Heizöl verarbeiten. Der Grund: Schweres Heizöl ist rund 200 Mark je Tonne billiger als Rohöl. Das Tankstellennetz wird ausgedünnt, die Zahl der Handelsgesellschaften und Niederlassungen erheblich vermindert, und die Deutsche BP wird nicht mehr selbst nach Öl suchen. Dieses Sanierungskonzept wird viele BP-Mitarbeiter den Job kosten, aber das Ergebnis des Unternehmens um 700 bis 900 Millionen Mark pro Jahr verbessern, meint Buddenberg.

Aber was bleibt dann noch von der Deutschen BP übrig? Wahrscheinlich schon 1983, bestimmt aber ein Jahr später, wenn die Sanierungsmaßnahmen abgeschlossen sein sollen, wird BP nicht mehr die Nummer eins im deutschen Ölgeschäft sein. Der Marktanteil, einst bei 21 Prozent, wird um etwa ein Drittel zurückgehen. BP ist dann wieder die Nummer drei in der Branche, hinter Esso und Shell. Der stürmische Aufstieg des Konzerns, von Buddenberg Anfang 1976 mit der „Aktion Gongschlag“ eingeläutet, findet damit ein jähes Ende, weil die Gewinne nie mit der Expansion des Unternehmens Schritt hielten.

Dabei hatte es 1976 ganz verheißungsvoll angefangen. Von der Konkurrenz bissig kommentiert („Der Oberbuchhalter will Konzernchef spielen“) machte sich Buddenberg daran, den „lahmarschigen Laden“ (Buddenberg nach seinem Amtsantritt über BP) gründlich umzukrempeln. Dem Temperament und Selbstbewußtsein entsprechend verkündete der neue BP-Chef schon eine Woche nach seiner Ernennung eine „neue Epoche in der Unternehmensgeschichte“.