Schwere Managementfehler trieben den Fürther Pionierunternehmer Max Grundig zum Verkauf

Von Heinz Blüthmann

Ein bißchen unheimlich war er auch seinen Verehrern bereits, als er noch "Millionen machte, wie andere Leute Brötchen". Selbst neben solchen Wiederaufbau-Heroen wie Borgward, Schlieker und Neckermann nahm er in der Wirtschaftswunder-Republik einen besonderen Platz ein, wurde gar "Mirakelmann" genannt, weil er scheint’s wie mit dem Zauberstab neue Fabriken aus dem Boden wachsen ließ, in atemberaubendem Tempo ein ganzes Familien-Imperium zimmerte und sich schließlich zum Größten seiner Branche aufschwang. Konkurrenten und Mitarbeiter sind sich auch heute darin einig: "Der ist immer für eine Überraschung gut – aber nicht immer für eine gute Überraschung."

Am Freitag vergangener Woche war es wieder so weit, womöglich zum letzten Mal. Max Grundig, Prominentester der schon fast ausgestorbenen Neugründer und Pionierunternehmer im Nachkriegsdeutschland, sorgte einmal mehr für fette Schlagzeilen: Er gab das Ende des Mirakels bekannt.

Unter der hintersinnigen Überschrift "Manchmal geht es schneller als man denkt" ließ der 74jährige Patriarch die geschockte Öffentlichkeit wissen, daß er Schluß machen und verkaufen will. Zweite Überraschung: Der Kapitalist reinsten Wassers möchte sein Unternehmen, den größten deutschen Produzenten von Fernsehgeräten, Videorecordern und HiFi-Anlagen mit dreißigtausend Beschäftigten, ausgerechnet einem Staatskonzern übereignen: der vom sozialistischen Präsidenten Frankreichs, François Mitterrand, verstaatlichten Elektrogruppe Thomson Brandt.

Der Gigant Thomson, nach Philips die Nummer zwei in Europa, hat sich nach Lumpensammlers Art hierzulande vier Firmen der notleidenden Branche einverleibt: Nordmende, Saba, Videocolor Ulm und Dual. Nun geht der deutsche Branchenführer Grundig denselben tristen Weg – unter die Regie des französischen Industrieministers Jean-Pierre Chevenement, der dann fast die Hälfte des hiesigen Fernsehgeräte-Absatzes beaufsichtigt.

Den schalen Geschmack der Niederlage, den dieser schwache Abgang des einstigen Vorzeigeunternehmers hinterläßt, kann auch die trotzige Behauptung Max Grundigs nicht vertreiben: "Ich muß nicht, ich will verkaufen." Solche Sprüche gehören zur Imagepflege eines Mannes, der so gern das Bild des souveränen Industrielenkers vermittelt, dem keiner – ganz gleich ob Politiker, Konkurrent oder Mitarbeiter – dreinreden darf und den niemand zu etwas zwingen kann.