Von Peter Grottian

Wenn zwei Professoren zusammentreffen, gehört es dazu, daß sie sich wegen ihrer jeweiligen Überlastung bemitleiden. Da ist die Rede von den vielen Prüfungen, von den Zwischen- und Endberichten für die Forschungsprojekte und von Terminen für irgendwelche Publikationsvorhaben. Daran schließt sich nicht selten die Wunschvorstellung an, mal endlich wieder "Zeit am Stück" zu haben, um das längere Zeit geplante Projekt vorantreiben zu können oder wieder einmal ein paar Dinge "etwas grundsätzlicher" zu durchdenken. Diesen Professoren kann geholfen werden: mit dem Teilzeit-Professor.

Es gibt nicht wenige Hochschullehrer, die in Seminaren, auf Tagungen und in unzähligen Publikationen eine Umverteilung der Arbeit propagieren. Fast gehört es in diesem Zusammenhang auch schon zum Gemeinplatz, davon zu reden, daß eine massive Arbeitszeitverkürzung zumindest im öffentlichen Dienst mit einem differenzierten Gehaltsausgleich verbunden sein sollte – um das Ziel, tatsächlich viele neue Arbeitsplätze zu schaffen, auch realisieren zu können. Diesen Hochschullehrern kommt inzwischen auch flüssiger über die Lippen, daß eine Reduzierung der traditionellen Tätigkeit mehr Chancen für andere persönliche, berufliche und politische "Eigenarbeiten" lasse – und wenige reden sogar darüber, daß dieser Hebel auch etwas bewirken kann, um die geschlechterspezifische Arbeitsteilung zu reduzieren. Auch diesen Hochschullehrern kann eine forcierte Arbeitszeitverkürzung zur Realisierung ihrer progressiven Vorstellungen angeboten werden: Teilzeit-Professor nach dem Berliner Modell.

Schließlich gibt es eine große Zahl hochqualifizierter Nachwuchswissenschaftler, die kaum noch Chancen haben, auf eine Hochschullehrerstelle berufen zu werden. In manchen Fächern werden zur Zeit überhaupt keine Stellen besetzt, und in der Mehrzahl der Fächer dürfte die jährliche Rekrutierungsquote bei 0,5 bis 2 Prozent liegen. Für diese Nachwuchswissenschaftler wäre der Teilzeit-Professor zwar keine spektakuläre Chance, aber in jedem Fall mehr, als sie jetzt in Aussicht haben.

Wie wird der Teilzeit-Professor realisiert? Nach der vom Kuratorium der FU Berlin inzwischen beschlossenen Regelung können Professoren auf Antrag ihre Dienstpflichten um ein Viertel, ein Drittel oder um die Hälfte herabsetzen lassen. Die Herabsetzung bezieht sich gleichmäßig auf Lehre, Forschung und Selbstverwaltung. Die Dauer der Teilzeitbeschäftigung beträgt mindestens fünf und höchstens acht Jahre – eine andere Regelung lassen die gesetzlichen Vorschriften des Beamtenrechtsrahmengesetzes noch nicht zu.

Nachdem die Hochschullehrer ihre Option für die Teilzeit-Professur mitgeteilt haben, müssen der jeweilige Fachbereich und die anderen Gremien der Hochschule darüber entscheiden, ob die freiwerdenden Stellenanteile für den Ersatz der "alten" Stellenanteile oder für neu zu definierende Stellen verwendet werden. Ist diese Entscheidung gefallen, wird die Teilzeit-Professur – in der Regel als Zwei-Drittel-Stelle im Angestelltenverhältnis – ausgeschrieben. Erst mit der Berufung der jeweiligen Kollegin oder des jeweiligen Kollegen vollziehen die teilzeitwilligen Hochschullehrer ihre Option, für fünf bis acht Jahre auf eine Teilzeit-Professur zu gehen. Damit erscheint die Koppelung von Verzicht und neu zu schaffender Stelle wasserdicht konstruiert.

Für die Hochschullehrer ist eine solche Regelung vor allem deshalb attraktiv, weil die Teilzeit-Professur einen alternativen Arbeitszyklus ermöglicht. Bei einem Zwei-Drittel-Teilzeit-Professor ist nämlich vorgesehen, die Dienstpflichten so zu verteilen, daß ein Arbeitszyklus von zwei Jahren als Voll-Professor und einem Jahr zur freien Verfügung organisierbar wird. Dieses Verfahren hat große Vorteile für die Studenten (Prüfungen usw.) und schafft tatsächlich für eine gewisse Zeit einen Freiraum, der kreativ genutzt werden kann. Der Zwei-Drittel-Professor erhält die ganze Zeit hindurch zwei Drittel seiner normalen Bezüge. Der Status des Beamten bleibt unberührt, der Staat übernimmt die Personalfolgekosten für die neu zu schaffenden Stellen.