Die Zahl der dividendenlosen Papiere nimmt von Woche zu Woche zu. Viele Unternehmen können nur noch mit direkter oder indirekter Hilfe des Staates am Leben erhalten werden. Dort ist das Geld privater Aktiensparer schlecht angelegt.

Obwohl die deutschen Aktienindizes seit dem Jahresbeginn einen leichten Anstieg verzeichnen und sich das Kursniveau zur Zeit auf einem neuen Jahreshöchststand bewegt, ist für viele Aktienanleger das Börsenjahr 1982 bisher höchst unbefriedigend verlaufen. Weitere negative Überraschungen können nicht ausgeschlossen werden.

Die größten Enttäuschungen gab es in diesem Jahr bei den Stahl-Aktien. Zu Beginn dieses Jahres hatten sie noch als eine Art Geheimtip gegolten. Und tatsächlich war bei ihnen zwischenzeitlich viel Geld zu verdienen. So lag der Hoesch-Kurs vorübergehend um 100 Prozent über dem Stand vom Jahresbeginn, heute bewegt er sich schon darunter. Der Klöckner-Kurs stieg von 48 auf 70 Mark und sank danach bis 49; die Thyssen-Aktie bewegte sich von 69 auf stolze 92 Mark; heute wird sie wieder mit 69 Mark bewertet.

An Warnungen vor einem übertriebenen Optimismus hat es nicht gefehlt. Er war aufgekommen; als die Krisenmaßnahmen der Europäischen Gemeinschaft eine Preisanhebung für die Tonne Stahl um schließlich 240 Mark erlaubten. Die meisten Stahlunternehmen konnten im Zusammenhang damit für einige Monate Gewinne erzielen. Inzwischen werden die Listenpreise drastisch unterboten. Gleichzeitig stiegen die Kosten. „Damit sind für die Stahlunternehmen erneut erhebliche Verluste vorgezeichnet“, sagt die Westdeutsche Landesbank in ihrer Branchenprognose für 1982/83 voraus.

Die deutschen Aktienfonds haben sich bis auf Restposten schon seit geraumer Zeit von ihren Stahlaktien getrennt. Dabei handelten sie nach dem Motto: „Branchen und Unternehmen, die nicht ohne staatliche Hilfe existieren können, sind nichts für den privaten Anleger.“ Denn Steuergelder werden nicht der Aktionäre wegen, sondern zum Erhalt der Arbeitsplätze vergeben. Damit werden dann allerdings Kapazitäten aufrechterhalten, die der Markt nicht beschäftigt.

Natürlich gibt es gute Argumente, warum Bund und Länder so handeln müssen, besonders dann, wenn der internationale Wettbewerb durch Subventionen verfälscht wird, wie es zur Zeit im besonderen Maße in der Stahlindustrie der Fall ist. Angesichts der weltweit vorhandenen und noch neu entstehenden Stahlkapazitäten wäre es vermessen anzunehmen, die Lage würde sich schon bald wieder bessern.

Eine andere Frage ist, ob jetzt der richtige Zeitpunkt zum Verkauf von Stahlaktien ist. Er würde kommen, sobald sich ihre Kurse wieder nach oben bewegen sollten. Bei Thyssen wird ein Dividendenausfall nicht ausgeschlossen, auch wenn in den Bewertungslisten vieler Banken für das Geschäftsjahr 1981/82 (30. 9.) noch von einem Ergebnis je Aktie von 3 Mark ausgegangen wird.