Hervorragend

Ludwig August Lehren: "Konzerte für Oboe und Orchester". Mit zwölf Jahren wurde er "Scholar", mit fünfzehn Hofmusiker im berühmten Orchester des Mannheimer Kurfürsten Karl Theodor; über die Spielweise des 25jährigen heißt es: "Sein Ton hat die äußerste Delikatesse", und über seine Kompositionen wird berichtet, sie seien "fein und süß wie Nektartropfen". Alles an "Mannheimer Neuerungen" findet sich in diesen Oboen-Konzerten – Empfindsamkeit und Disziplin, Ordnung und die sich selber legitimierende Unregelmäßigkeit, der schöne Ton und die Mechanik des auf Wirkung Bedachten. Vielleicht hat es tatsächlich so zart, fein und schmal geklungen, wie Heinz Holliger diese Konzerte bläst – und es war gewiß kein akademischer Nachahm-Eifer, wenn die Camarata Bern (Maestro Concertatore Thomas Furi) versucht sich vorzustellen, mit welchen akustischen Überrumpelungsmanövern die Mannheimer seinerzeit ihr Publikum zugleich faszinierten und schockierten. Akkuratesse und minuziöse Präzision, vor allem aber ein frisches Tempo und die großen dynamischen "Walzen" – das kann dieses Orchester inzwischen so hervorragend, und die sogar das Klappern der Oboe noch einfangende Direktheit der Aufnahme hilft mit, daß selbst die, nun ja, manchmal doch nicht ganz so aufregenden Konzerte ein so hohes Maß an Spannung gewinnen. Selbst nach dem sechsten Konzert bleibt das Hören ein Genuß höchster Qualität. (DGG Archiv 2742 005, 2 LP)

Heinz Josef Herbort

Hörenswert

Herman van Veen: "Solange der Vorrat reicht" – das könnte auch bedeuten: Los, hört, Leute, hört zu, ehe es aus und vorbei, der Liederladen leer ist. Das wäre indessen ein Irrtum. Es hat nicht den Anschein, als ginge dem Niederländer Herman van Veen demnächst die Puste aus. Und so fordert er eher Bewunderung heraus, daß auch diese Schallplatte – die wievielte von ihm? – auch nicht einen Flop enthält. Kein Gedicht, das nicht einen bedenkenswerten Gedanken enthielte, und keine Melodie (und keine Instrumentierung), die von einem Text nicht eine ganz besondere Färbung erführe. Die Themen sind, wie neu auch, die uralten, die politischen, die poetischen, die philosophischen: die tickende Zeit, der gegenwärtige Jesus, die abhanden gekommene Liebe, das Gewissen, der Krieg, die innere Schönheit, das Alter. Man hört Gedichte von Erich Kästner, van Veen und anderen. (Polydor 2372 150)

Manfred Sack

Ambitioniert