Von Gunhild Freese

Festgelegt hatte sich der Minister bereits Ende Oktober vor dem Deutschen Bundestag. Eine Beteiligung von Burda an Springer mit weniger als 25 Prozent, so Bundeswirtschaftsminister Otto Graf Lambsdorff, wäre ein "völlig neues Projekt" und müßte durch das Kartellamt neu geprüft werden. Damals lag dem Ministerium allerdings "kein entscheidungsfähiger Antrag der Unternehmen" (Lambsdorff) vor.

Seit Ende letzter Woche nun muß der FDP-Mann über eben jenen Fall entscheiden, den er im Bonner Parlament erwähnt hatte: Nur mit "einem Deut über der Fusionsschwelle von 24,9 Prozent", so der Springer-Generalbevollmächtigte Christian Kracht, soll sich nach dem neuesten Plan die Burda-Gruppe am Berliner Springer-Verlag beteiligen. Überdies soll den Burdas – wie im umgeschriebenen Gesellschaftsvertrag vorgesehen – "kein Mitwirkungsrecht" bei Springer eingeräumt werden.

Eine überraschende Wende im leidenschaftlich diskutierten Fusionsfall Springer/Burda, der seit dem Sommer letzten Jahres nicht nur das Bundeskartellamt und die Konkurrenten, sondern auch Öffentlichkeit, Gewerkschaften und Politiker beschäftigte.

Axel Cäsar Springer hatte in Ermangelung eines eigenen geeigneten Erben die drei Burda-Brüder Franz, Frieder und Hubert ausersehen, sein Lebenswerk fortzuführen. Die Offenburger Brüder sollten von Mitte 1983 an – nach den ursprünglichen Springer-Plänen über 51 Prozent des Berliner Verlagshauses verfügend – den mächtigsten Pressekonzern des Landes übernehmen.

Öffentliche Meinung ebenso wie zahlreiche sachliche und wettbewerbsrechtliche Einwendungen haben wohl schließlich die ehewilligen Verlage zur "Modifizierung" (Springer-Generalbevollmächtigter Kracht) ihres Vorhabens gebracht. Aber anders als der Wirtschaftsminister vor dem Bonner Parlament dargelegt hatte, sehen die Verlags-Lenker ihr jetziges Beteiligungsmodell keineswegs als "völlig neues Projekt". Der alte Antrag wurde, so Kracht, "nicht zurückgezogen". So hat denn Minister Lambsdorff mit sich selbst auszumachen, ob er zu seinem Wort im Bundestag stehen oder den Verlagen grünes Licht für die etwas losere Bindung geben will.

Das ministerielle Plazet war von den Verlagen vor Jahresfrist angestrebt worden, nachdem das Bundeskartellamt im Oktober 1981 die "beabsichtigte Beteiligung der Burda-Verwaltungs KG an der Axel Springer Gesellschaft für Publizistik KG untersagt hätte. Zwar überschneiden sich die Verlagsprogramme von Burda und Springer nur am Rande: bei den Programm- und Fachzeitschriften. Doch "auf Grund des Machtzuwachses" sei zu erwarten, daß die "überragende Marktstellung" auf den Lesermärkten durch den Zusammenschluß noch verstärkt werde – so die Untersagungsverfügung der Kartellbehörde. Denn vor allem auf drei anderen Geschäftsbereichen, bei Anzeigen, dem Vertrieb sowie im Tiefdruck, müßten die Berliner Wettbewerbshüter von einer marktbeherrschenden Stellung des geplanten Verlagsgiganten ausgehen.