Gebhardt von Walther, "der Frohgemute, Nimmermüde", wie ihn der von Hitlers Schergen ermordete Botschafter Graf Schulenburg liebevoll zu nennen pflegte, ist in der vergangenen Woche gestorben. Unter Schulenburg in Moskau hatte er vor dem Krieg als Botschaftssekretär gedient. Jene beiden Epitheta waren in der Tat für ihn außerordentlich bezeichnend: Stets war er lustig und witzig und darum von jedermann gern gesehen, und sein nimmermüdes Engagement für die Aufgabe, die ihm jeweils gesetzt war, wie auch die Intensität, mit der er sie betrieb, und nicht zu vergessen die Neugier, die ihn bis in sein Alter erfüllte, ist vielen, die seinen Lebensweg verfolgten, gegenwärtig.

Auch als er selber von 1966 bis zu seiner Pensionierung 1968 Botschafter in Moskau war, war er noch immer der Frohgemute, Nimmermüde, der, wie einem damals viele Russen versicherten, "seine" Botschaft zur beliebtesten der sowjetischen Hauptstadt gemacht hatte. Und das wollte in jener Zeit kühlster offizieller Beziehungen, in der sein Vorgänger eben dort gescheitert war und Ulbricht noch hoch im Kurse stand, viel heißen. Immer traf man bei ihm interessante Russen: Beamte, Künstler, Professoren.

Gebhardt von Walther hatte sehr gehofft, in seine Moskauer Zeit werde der Wandel der sowjetischen Deutschland-Politik fallen, aber die weltpolitischen Verhältnisse waren nicht danach. So hat er sich nach seiner Pensionierung noch zehn Jahre lang mit großer Passion und besonderem Interesse für Osteuropa und die Sowjetunion der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik als allseits geachteter und beliebter geschäftsführender Präsident zur Verfügung, gestellt. Er ist dort wie auch im Kreise seiner Freunde unvergessen. Dff.