Die Sanierungspläne der Partei gefährden die Existenz der SPD-Zeitung Vorwärts

SPD-Schatzmeister Friedrich Halstenberg betätigt sich wieder einmal als Liquidator einer sozialdemokratischen Zeitung. Nach endgültiger Trennung der SPD von der Hamburger Morgenpost ist nun das Traditionsblatt der Genossen zum Abschuß freigegeben der Vorwärts,

Seit Jahren macht das über hundert Jahre alte Wochenblatt Verluste in Millionenhöhe. Allein in diesem Jahr wird mit einem Minus von rund drei Millionen Mark gerechnet. Obwohl die Redaktion mit elf Vollzeit-Redakteuren bei einem Umfang von 32 Seiten sparsamst besetzt ist, blieben wirtschaftliche Erfolge aus. Spätestens seit Februar dieses Jahres hat Schatzmeister Halstenberg immer wieder signalisiert, seine Bereitschaft, das Minus abzudecken, sei erschöpft.

Nun ist es soweit. Die Partei, deren Repräsentanten Entlassungen und Betriebsschließungen in der privaten Wirtschaft stets als "eiskaltes Profitstreben" verurteilen und die allenthalben die Notwendigkeit der qualifizierten Mitbestimmung bei Unternehmensentscheidungen beschwören, verhält sich nun ganz wie das "böse Kapital", mitunter sogar noch schlimmer. Denn anstatt klar zu entscheiden, den Vorwärts einzustellen, haben die Parteigremien letzte Woche in Kiel einen Beschluß gefaßt, der scheinbar die Rettung bedeutet, tatsächlich aber das Aus der Zeitung nur verschleiert.

Einerseits entschied der Parteivorstand, die SPD-Wochenzeitung müsse wie bisher erhalten bleiben, was dann in der Öffentlichkeit prompt den sicher gewollten Eindruck erzielte, der "Vorwärts ist gerettet". Andererseits aber wurde der Redaktion ein Sparprogramm aufgezwungen, das zum Tod auf Raten führt.

Denn eines ist sicher, die von Schatzmeister Halstenberg beschlossene Halbierung des Redaktionsetats von 3,2 auf 1,6 Millionen Mark wird den Vorwärts binnen kurzer Zeit kaputtsparen. Wenn die Redaktion auf die Hälfte der Mannschaft schrumpft, die Honorare für freie Mitarbeit gekürzt werden und statt 32 nur noch 16 Seiten erscheinen, dann wird das Blatt bald nur noch Verlautbarungen der SPD-Baracke abdrucken können. Ein Organ mit eigener profilierter, wenn auch sozialdemokratischer Meinung wird mit so geringen Mitteln nicht mehr machbar sein.

Die Folgen liegen auf der Hand: So werden nicht nur die in den letzten Monaten dank vieler Aktionen dazugewonnenen 15 000 neuen Abonnenten wieder abspringen, auch die übrigen 50 000 Stammleser werden sich nach einer neuen Lektüre umsehen. Zwar ist der Vorwärts mit 8,50 Mark monatlich im Abonnement nicht eben teuer, aber er wird es rasch werden, wenn das journalistische Angebot auf Null absinkt.