Die Nacktschnecken des Mittelmeers beschreibt ein mit ungewöhnlicher Sorgfalt und Geduld erarbeiteter Band, der kürzlich im Berliner Wissenschaftsverlag Springer erschien. Die Münsteraner Zoologin Luise Schmekel arbeitete zusammen mit dem kürzlich verstorbenen Schweizer Biologen Adolf Portmann fast zwanzig Jahre, um die 127 Arten von Ophistobranchia ("schalenlose Hinterkiemer") des nördlichen Mittelmeeres in allen Details vorzustellen. ("Ophistobranchia des Mittelmeeres", 420 Seiten, 390 Mark). Die Porträts der meist nicht einmal einen Zentimeter langen Meerestierchen malte die ungarische Zeichnerin Ilona Richter über einen Zeitraum von 17 Jahren stets nach lebendem Vorbild. Eine der 122 im Bild vorgestellten, oft bizarr geformten und buntgescheckten Kreaturen ist die weißlichbraun marmorierte Nacktschnecke Doto rosea (oben): Sie lebt in rund 15 Meter Tiefe.

Als erste elektroschockfreie Zone der Welt kann sich die kalifornische Universitätsstadt Berkeley bezeichnen. Bei den Wahlen am 2. November stimmten die Bürger im Nebenvotum für den Antrag, Elektroschocks in der psychiatrischen Behandlung gesetzlich zu verbieten. Zum ersten Mal in der Medizingeschichte wurde damit in einem demokratischen Land eine Behandlungsmethode der Heilkunde durch öffentliche Abstimmung verboten, ja kriminalisiert: Das lokale Verbot ist an eine Strafandrohung von sechs Monaten Gefängnis geknüpft. Die Krampfbehandlung mit Elektroschocks wird zuweilen bei schwerer Melancholie und einer Verlaufsform der Schizophrenie eingesetzt, wenn Psychopharmaka allein keinen Erfolg versprechen. Wirkprinzip ist die elektrische Auslösung eines epileptischen Krampfanfalls. Er scheint eine vorübergehende Hirnschädigung auszulösen, die den Symptomen gleichsam den Boden entzieht. Das erfolgreiche Referendum war der Höhepunkt einer zweijährigen Kampagne. Die Elektroschock-Gegner, darunter viele ehemalige Psychiatrie-Patienten, zogen gegen die, wie sie sagen, "Schlangengruben-Mentalität" der Seelenärzte zu Felde. Das Gegenargument der Psychiater machte die Sache eher noch schlimmer: "Beschneidet man den Fortschritt der Psychiatrie der letzten Jahre, dann sind wir auf dem Weg zurück ins Mittelalter." Nach dem Sieg der Schock-Gegner versuchte die New York Times zu vermitteln: "Eine nützliche Therapie zu verweigern ist ebenso schlecht wie die Anwendung einer schädlichen." Das Blatt empfiehlt statt dessen eine Art TÜV für neue psychiatrische und medizinische Behandlungsmethoden. pj

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Das Gicht- und Rheumamittel Lederion wurde letzte Woche vom Markt genommen. Wie das Bundesgesundheitsamt (BGA) bekanntgab, häuften sich seit Mitte des Jahres die Klagen von Patienten über "unerwünschte Begleiterscheinungen". Den Arthritis- und Arthrosekranken waren die Substanzen Lederion 5 und 20 direkt in die betroffenen Gelenkteile gespritzt worden. In "mehreren Fällen" (BGA) kam es zu lokalen Reizerscheinungen und akuten Schmerzen, teilweise verbunden mit erniedrigtem Blutdruck und Kreislaufstörungen. Hersteller Cyanamid stellte den Vertrieb ein und rief bereits ausgelieferte Sendungen zurück. Noch ist unklar, ob die Nebenwirkungen auf Probleme bei der Produktion bestimmten Chargen zurückgehen oder auf den Wirkstoff (Triamcinolon-hexacetonid). Auch die Darreichungsform als Kristallsuspension kommt als Ursache in Frage. müll