Kaum war über einige vorlaute Bemerkungen aus den Reihen der FDP, in denen die Liberalen sich als Sperriegel gegen den Einbruch von Franz Josef Strauß in die Bonner Ministerriege empfohlen hatten, Gras gewachsen, erschien Jürgen W. Möllemann und fraß es wieder ab. Er kündigte an, sein Bundestagsmandat niederzulegen, falls Strauß in die Bundesregierung eintrete.

Sehr glücklich scheint man in der FDP-Führung über diese markige Ankündigung nicht zu sein. Die Vorbehalte gegen Strauß für den Wahlkampf zu nutzen, ist eine Sache; sich auf genaue, einklagbare Wahlversprechen einzulassen, eine andere. Die FDP hat da eine lange und nicht sehr ermutigende Erfahrung.

Die Union hat Möllemann, was ihn sicher hart getroffen hat, nach dem Motto behandelt: nicht einmal ignorieren. Daß die CSU ihren Groll gegen die FDP mit Ingrimm weiter pflegt, darf man gewiß unterstellen. Die Kontroverse wird jetzt auf dem Niveau der Leserbriefe behandelt. Eine frühere, einschlägige Äußerung des FDP-Landesvorsitzenden von Baden-Württemberg, Morlok, wurde von einem Briefschreiber im Bayernkurier als "Kombination von Frechheit, Dummheit, Pöbelei" bezeichnet. Und die bekannte Feinsinnigkeit, mit der vom Bayernkurier Revanche-Fouls verübt werden, zeigte sich daran, daß ein Stuttgarter Bezieher des Blatts zu Wort kam.

Ob CDU oder CSU – beide Parteien sind nicht gewillt, der FDP den Zugang zu Wählerstimmen zu erleichtern. Tatsächlich hat die Union nichts zu verschenken. Sie muß immerhin mit der Möglichkeit rechnen, daß die FDP an der Fünfprozentgrenze scheitert und der Fortbestand der Kanzlerschaft Kohls davon abhängt, daß die Union allein die absolute Mehrheit der Mandate erobert. Deshalb will auch die CDU die Wähler gründlich darüber aufklären, daß es beim Endergebnis auf die Zweitstimme ankommt.

Solche Aufklärung hat freilich in der Vergangenheit nicht immer zu den gewünschten Ergebnissen geführt; manche Wähler wurden dadurch erst auf die Möglichkeit des Stimmen-Splitting aufmerksam gemacht.

Was die Ausgangsposition der neuen Regierung für den Wahlkampf angeht, so sind die CDU-Strategen nicht unzufrieden. Die Regierung hat von ihren außenpolitischen Aktivitäten nicht schlecht gelebt. Dabei kommt ein Kanzler immer am schönsten ins Bild, insofern hat sich seit dem Regierungswechsel wenig geändert. Nur hat Kohl daraus fast ein flächendeckendes Programm gemacht; das Fernsehen war voll davon.

Innenpolitisch wird bisher die Diskussion über unpopuläre neue Sparmaßnahmen durch die "Erblast-Kampagne" einigermaßen kompensiert; die Zukunft wird mit sehr viel Gemeinschafts-Rhetorik bestritten. Ein Schuft fast, wer da nörgelnd abseits steht – oder eben die unverbesserliche Opposition.