Friedrich Karl Flick ist für seine Mitarbeiter zu einem kaum noch zu lösenden Rätsel geworden. Statt in Düsseldorf, am Sitz der Friedrich Flick KG, sein industrielles Reich zu regieren, hat sich der 55jährige Erbe des Konzerngründers in die Scheinwelt eines ebenso pitoresken, wie für das Unternehmen problematischen Luxuslebens inmitten des Münchner Jet-set geflüchtet.

In der Isar-Metropole, wo Deutschlands reichster Privatindustrieller in einer standesgemäßen Villa am Herzogpark residiert, pflegt sich der stets von mehreren Bodyguards beschützte Milliardär mit einem Kreis smarter Freunde und Berater zu umgeben, deren Einflüsse auf den scheuen Konzernchef inzwischen selbst von hochrangigen Flick-Managern kaum noch sicher einzuschätzen sind.

Die erste Geige spielt dabei der Wirtschaftsanwalt Detlef Wunderlich, ein auf allen Partys der Münchner Society gern gesehener Mann, dem "FKF" blind vertraut und der sogar den bisherigen Flick-Juristen Axel Schmidt-Hern ausgestochen hat; Zugunsten seines Spezies verzichtete Flick zur allgemeinen Bestürzung in diesem Frühjahr auf die Dienste des exzellenten Experten.

Neben Wunderlich hat Flick vor allem seinen altgedienten Intimus Günter Max Paefgen, einen eingeschworenen Brauchitsch-Rivalen, der nach dessen Ausscheiden aus dem Kreis der Flick-Gesellschafter seinem Herrn an der Isar um so bereitwilliger zu Diensten ist. Vertrauten Umgang pflegt der Ruhr-Auswanderer überdies mit einem weiteren Neu-Münchner: Mit dem ehemaligen Daimler-Benz-Chef Joachim Zahn.

Für die durch die Parteispenden-Affäre ohnehin in nervöser Spannung gehaltenen Flick-Manager in Düsseldorf wurde die Konzernführung in den letzten Monaten immer schwieriger. Wichtige Dokumente, die der Herr über mehr als 60 000 Beschäftigte zu sehen oder abzuzeichnen wünscht, werden per private-jet zwischen Rhein und Isar hin- und hergeflogen. Immer seltener ließ sich Friedrich Karl Flick in der Mönchenwerther Straße im Düsseldorfer Stadtteil Oberkassel blicken. Dafür häuften sich die Gerüchte, Flick II trachte unter den Einflüssen seiner Einflüsterer insgeheim nach Kassemachen statt nach zukunftsweisender Investitionspolitik zur Sicherung seines Konzerns.

Der personelle Kahlschlag der letzten Wochen und Monate läßt solche Sorgen durchaus verständlich erscheinen: Mit dem gekündigten persönlich haftenden Gesellschaftern Eberhard von Brauchitsch und Hanns Amt Vogels sowie dem aus freien Stücken ausscheidenden Klaus Götte verliert Flick fast seine komplette Führungsgarnitur.

Der Aderlaß wiegt um so schwerer als Flick auch in seinen Aufsichtsrat nahezu ausschließlich persönliche Freunde ohne jegliche Industrieerfahrung berief, wie den Steuerjuristen und CSU-Bundestagsabgeordneten Reinhold Kreile als Vorsitzenden und den Münchner Kunstauktionator Rudolf Neumeister, einen Flick-Freund aus Jugendtagen.

Unkonventionell wie alles verläuft auch Flicks Privatleben. Statt wie die Familie von Siemens gelegentlich als Gastgeber feiner Geselligkeit zu brillieren, fühlt sich der kontaktarme Nabob bevorzugt im Kreise vitaler Trinkbrüder wohl, die zur Freude ihres prominenten Gastgebers gelegentlich auch mal das Geschirr im "Franziskaner" zu Bruch gehen lassen oder ihn auf einer ausgehängten Tür herumtragen. Hans Otto Eglau