Letzte Woche ist DALLAS, wie wir alle wissen, wegen HOLOCAUST ausgefallen, der ganze Abend im Eimer, wie wir meinen.

Zuerst der Ärger, als wir aus dem Urlaub zurückkamen: Dienstagabend DALLAS, und lauter unbekannte Gesichter auf dem Bildschirm. Warum hat man uns die nicht vorgestellt, dachten wir, und nun HOLOCAUST, wo wir uns gerade wieder in DALLAS zurechtfanden.

Einmal muß Schluß sein, meinen wir, Schluß mit HOLOCAUST. Wir wollen dienstags Jr. Ewing sehen und nicht Josef Weiss. Nicht schon wieder Josef Weiss, haben wir letzten Dienstag ausgerufen, um einundzwanzig Uhr fünfundvierzig, den haben wir doch schon vor drei Jahren gesehen in HOLOCAUST. Wenngleich uns damals Josef Weiss nicht übel gefallen hat in HOLOCAUST, so fragen wir doch heute: Wie oft sollen wir uns Josef Weiss denn noch ansehen? Jeden Dienstag wollen wir Jr. Ewing in DALLAS sehen, letzten Dienstag aber sahen wir Josef Weiss im Warschauer Getto, und Josef Weiss sah im Warschauer Getto seine Frau Berta Weiss wieder, was interessiert uns das heute, und Josef Weiss gründet gemeinsam mit seinem Bruder Moses Weiss eine jüdische Widerstandsgruppe, wie hängt uns das alles zum Halse raus.

Mittwochabend sahen wir dann, wie Karl Weiss von Buchenwald nach Theresienstadt verlegt wird und seine Überlebenschancen damit weiter steigen, dann aber werden ihm beide Hände gebrochen, ein Moment, in dem wir dann doch alle geweint haben, denn Karl Weiss ist, wie wir alle wissen, ein talentierter Kunstmaler.

Ein Kunstmaler aber mit gebrochenen Händen ist keinen Pfifferling mehr wert.

Thomas Meinecke