Von Heinz Michaels

Noch nie waren die Verluste im Weltluftverkehr so hoch wie in diesem Jahr. Die IATA, ein weltweiter Zusammenschluß der Fluglinien, hat sich auf ihrer Generalversammlung in Genf bemüht, einen Ausweg aus der äußerst bedrohlichen Krise zu finden.

Wie die Lemminge, die blindlings ihrem Leittier ins Verderben folgen, fliegen die Luftverkehrsgesellschaften in fast geschlossener Formation dem weltweiten Bankrott entgegen. Der Luftverkehr ist überall in einer existenzbedrohenden Krise. Selbst so solide finanzierte Unternehmen wie die Lufthansa, die Swissair oder die amerikanische Delta Air Lines geraten in den Sog.

Im vierten Jahr nun fliegen die 122 im internationalen Luftverkehrsverband IATA zusammengeschlossenen Fluglinien insgesamt nur Verluste ein, allein in diesem Jahr wahrscheinlich zwei Milliarden Dollar, also rund fünf Milliarden Mark. Und für das nächste Jahr rechnet man heute schon mit sechs Milliarden Mark.

Es war ein kollektiver Sturzflug – von 400 Millionen Dollar Gewinn noch im Jahr 1978 auf 1,8 Milliarden Dollar Verlust nur zwei Jahre später. Das zehrt an der Substanz. Und deshalb sind die Schulden der Fluglinien heute neunmal so hoch wie ihr Eigenkapital. Im Durchschnitt wie gesagt, und da einige Bilanzen noch in Ordnung sind, müssen so manche Unternehmen bereits hoffnungslos überschuldet sein. Doch den eigentlich fälligen Gang zum Konkursrichter fürchten sie wie der Teufel das Weihwasser und wursteln mit Staatshilfe und vielerlei Tricks immer weiter – ein ständiger Infektionsherd für die noch gesunden Gesellschaften.

"Es ist alles sehr verworren", seufzte IATA-Generaldirektor Knud Hammarsköld jüngst auf der Generalversammlung des Verbandes. Dabei ist der Grund für die Entwicklung so simpel, daß man sich scheut, ihn hochrangigen Managern gegenüber zu wiederholen: Wenn man ein Produkt billiger verkauft, als man es herstellen kann, dann ist der Bankrott programmiert.

Just dies haben viele Fluglinien in den letzten Jahren getan. Und wenn einer den Anfang macht, dann glauben alle anderen Gesellschaften, mitmachen zu müssen aus Furcht, Passagiere zu verlieren, So war es auch, als Freddy Laker seinen billigen Skytrain über dem Nordatlantik einsetzte. Vergeblich mahnte der damalige Lufthansa-Chef Culmann seine Kollegen, sich um den Einzelgänger nicht zu kümmern; die Angst um Marktanteile war größer. Sir Freddy, wegen seiner "Verdienste" um den Luftverkehr geadelt, ist inzwischen pleite; das von ihm angezettelte Tarifchaos auf den Nordatlantikrouten wirkt aber noch nach.