DIE ZEIT

Unfeiner Abschied

Max Grundig gibt auf. Eine der letzten Symbolfiguren des deutschen Wirtschaftswunders verläßt die Bühne. Andere sind vor ihm gegangen: weil sie ihr Lebenswerk in jüngere Hände legen wollten, weil sie rechtzeitig Kasse gemacht haben, weil ihr Unternehmen auf zu schwachen Fundamenten ruhte und zusammenbrach, sobald rauhere Winde wehten.

Nun doch: 6. März

Allmählich glauben selbst die Skeptiker, daß am 6. März ein neuer Bundestag gewählt wird. Zwar will außer Helmut Kohl keiner die Wahlen wirklich; Willy Brandt nicht, der eine Dezimierung der SPD-Fraktion gewärtigen muß, und schon gar nicht Hans-Dietrich Genscher, dessen Freie Demokraten sich an der Fünfprozenthürde leicht das Genick brechen können.

Böll entkernt

Den "frühen Brecht" nahm, unvergessen, der weiland Außenminister Heinrich von Brentano von seinem Verdikt aus, der späte – marxistische – Stückeschreiber erinnere ihn an Horst Wessel; zum Beleg seiner frühen Wertschätzung gab er zwei – späte Gedichte Brechts.

Flucht in die Unvernunft

Die Entstehungsgeschichte der Nachkriegswelt ist die Geschichte von Handelsbefreiungen, nicht von Handelsbeschränkungen. 1947 wurde das Allgemeine Zoll- und Handelsabkommen (Gatt) gegründet, im gleichen Jahr der Marshall-Plan verkündet, mit dem Amerika dem verwüsteten Europa wieder auf die Beine half.

Sparring der Supermächte

Bemerkenswert schnell hat sich ein Dialog zwischen der amerikanischen und der neuen sowjetischen Führungsspitze angebahnt. Dies kann all jene beruhigen, die nach Breschnjews Tod eine langwierige Übergangsphase im Kreml befürchteten, eine Funkstille.

Worte der Woche

"Sollte sich jetzt zusätzlich zur Beschäftigungskrise eine internationale Bankenkrise einstellen, dann werden wir in den größten Schwierigkeiten sein, und der Mangel an Führerschaft in der Welt wird sich bemerkbar machen.

Ersatzdienst-Novelle: Vom Gewissen

Dem Geißler-Ausschuß, der eine Gesetzesnovelle zum Wehrersatzdienst vorbereitet hat, sollte immerhin zugute gehalten werden, daß er endlich Schluß machen will mit diesen beschämenden "Gewissensprüfungen".

Die Sozialdemokraten blasen zum Sammeln: Im Eilschritt in den Wahlkampf

Gearbeitet wird, daß es raucht. Während in den Bonner Büros gerade die Morgenlichter angehen, ist in der "Baracke", wie das sozialdemokratische Parteihauptquartier in Erinnerung an vergangene architektonische Zeiten noch immer genannt wird, jeden Montag, Mittwoch Und Freitag schon eine kleine Runde versammelt: Hans-Jochen Vogels persönlicher Stab und andere Mitstreiter.

Zeitspiegel

Die Zahlen sind erstaunlich genug: Seit 1947 sind in über 100 Jugenddörfern mehr als eine Million Jugendliche ausgebildet worden.

Linksliberale: Bunte Palette von Einzelkämpfern

Die Hoffnung Hans-Dietrich Genschers, die FDP habe nach dem Parteitag in Berlin die schlimmsten Zeiten überstanden und weiterer Substanzverlust bleibe der Partei erspart, scheint nicht in Erfüllung zu gehen.

"Rote Armee Fraktion": Wachsen der Hydra neue Köpfe?

Die Geschichte der "Roten Armee Fraktion" ist kurz und weist eine Logik auf, die sich an eigenen Gesetzen ausrichtet. Deshalb gab es noch allemal unliebsame Überraschungen, wenn die RAF voreilig für tot erklärt worden war.

NS-Urteile: Die Dornen der "Weißen Rose"

Das Mädchen wird auf den Bock geschnallt. Aus ihrem Nacken sind die Haare beiseite geschoben worden. Dann fällt das Beil. Dann kommt der Schlußtext: "Nach Auffassung des Bundesgerichtshofes bestehen die Urteile zu Recht.

Eurokommunist aus Überzeugung

Der gebürtige Sizilianer Lucio Lombardo-Radice, der im Alter von 66 Jahren am vergangenen Sonntag in Brüssel einem Herzinfarkt erlag, war seit 1938 Mitglied der Kommunistischen Partei Italiens (PCI), seit 1969 Mitglied ihres Zentralkomitees.

"Vogel wird viel verlangen"

Gerhard Schröder, 38 Jahre alt, ist seit 1980 im Bundestag, wo er in der SPD-Fraktion unter anderem die "Linken koordiniert".

Italien: Rückkehr Fanfanis

Ohnehin nicht verwöhnt durch neue Gesichter in der Politik, trauen die Italiener ihren Augen nicht, wenn sie in diesen Tagen den 74jährigen Amintore Fanfani wieder am Werk der Koalitionsbastelei sehen.

Brasilien: Wahl mit zwei Siegern

Im Jahre 1964 putschte sich das Militär in Brasilien an die Macht. Zur politischen Abstützung schuf es zwei künstliche Parteien – Regierungspartei und Opposition –, die in das Repräsentantenhaus und den Senat gewählt werden konnten, aber die Herrschaft der Offiziere nie beeinträchtigten.

Flächendeckend nach außen, Erblast nach innen

Kaum war über einige vorlaute Bemerkungen aus den Reihen der FDP, in denen die Liberalen sich als Sperriegel gegen den Einbruch von Franz Josef Strauß in die Bonner Ministerriege empfohlen hatten, Gras gewachsen, erschien Jürgen W.

Wer wird japanischer Ministerpräsident?: Der Krieg der Herzöge

Als Ministerpräsident Zenko Suzuki am 12. Oktober nach nur 27 Monaten Amtszeit kapitulierte, glaubte er, seiner "Liberal-demokretischen Partei" und dem politischen System Japans einen Dienst erweisen zu müssen: Die Chefs der regierenden LDP sollten die Erbfolge nach bewährter Tradition unter Ausschluß der Öffentlichkeit aushandeln und dann der Fraktion einen gemeinsamen Kandidaten präsentieren.

Wer will Journalist werden?

Im Herbst 1983 soll an der Deutschen Journalistenschule München die 22. Lehrredaktion beginnen. Vierzehn Monate lang werden künftige Journalisten die Möglichkeit haben, unter Anleitung von erfahrenen Zeitungs- und Rundfunkredakteuren, theoretische und praktische Kenntnisse zu sammeln.

Hessische Verhältnisse: Bequem durchhalten

Das ist", beschreibt ein Ministerialer die Stimmung, "wie wenn eine Fabrik von der Produktion von Blumentöpfen auf Gewehre umstellen will, und keiner sagt, wann und wie.

Brokdorf-Prozeß: Recht oder Politik?

Die Brokdorf-Demonstration hat ein überflüssiges Nachspiel. In dieser Woche stehen sich vor dem Itzehoer Gericht gegenüber: Uwe Barschel – damals Innenminister, heute Ministerpräsident von Schleswig-Holstein – und Josef Leinen, Vorsitzender des "Bundesverbandes Bürgerinitiativen Umweltschutz" (BBU).

Ideologiegeschichte: Im Irrgarten des Imperialismus

Seit Fritz Fischers Buch über Deutschlands "Griff nach der Weltmacht" ist uns immer wieder die verhängnisvolle Bedeutung weltpolitischer Theoreme für den Lauf der Dinge, der zum Kriegsausbruch von 1914 und zum Zusammenbruch von 1918 führte, eingeschärft worden.

Israel und die Palästinenser: Zwei Nationen in einem Land

Am 11. August 1982 erläuterte Yochanan Meroz, der ehemalige israelische Botschafter in Bonn und jetzige Leiter der Europa-Abteilung im Jerusalemer Außenministerium, im deutschen Fernsehen seinen verblüfften Gesprächspartnern, daß das Selbstbestimmungsrecht der Palästina-Araber schon längst verwirklicht worden sei – nämlich jenseits des Jordan, in Transjordanien, während das jüdische Selbstbestimmungsrecht diesseits des Jordan, also in Israel und in den 1967 besetzten Gebieten, ausgeübt werde.

Das Gespenst von 1930

Mit der Sorge, daß aus der Krise eine "Große Krise" entstehen und daß der weltweiten wirtschaftlichen Rezession eine internationale Depression folgen könnte, wie sie schon einmal, zu Beginn der dreißiger Jahre, Deutschland und die Welt ins Unglück gestürzt hat – mit dieser Sorge steht Helmut Schmidt unter den Politikern und Ökonomen der Welt keineswegs allein.

Griff in den Säckel

Klaus-Jürgen Hoffie hat dem Lande Hessen nicht allzu lange als Wirtschaftsminister dienen dürfen. Nach knapp anderthalbjährigem Wirken gaben die Wähler ihm und seiner Partei den Laufpaß.

Bonner Kulisse

Innenminister Friedrich Zimmermann ließ jetzt ausrechnen, was die Beamten kosten, die von der früheren Regierung zwischen dem 1.

Fluglinien: Im kollektiven Sturzflug

Noch nie waren die Verluste im Weltluftverkehr so hoch wie in diesem Jahr. Die IATA, ein weltweiter Zusammenschluß der Fluglinien, hat sich auf ihrer Generalversammlung in Genf bemüht, einen Ausweg aus der äußerst bedrohlichen Krise zu finden.

Führungskrise: Kahlschlag bei Flick

Den Führungsstil des Hauses Flick schildert Eberhard von Brauchitsch dem US-Magazin Fortune so: "Er ist unglaublich unsystematisch und deshalb funktioniert er so gut.

Geschirr zerschlagen

Friedrich Karl Flick ist für seine Mitarbeiter zu einem kaum noch zu lösenden Rätsel geworden. Statt in Düsseldorf, am Sitz der Friedrich Flick KG, sein industrielles Reich zu regieren, hat sich der 55jährige Erbe des Konzerngründers in die Scheinwelt eines ebenso pitoresken, wie für das Unternehmen problematischen Luxuslebens inmitten des Münchner Jet-set geflüchtet.

Gatt – der Rahmen für den Welthandel

1. Das Allgemeine Zoll- und Handelsabkommen (General Agreement on Tariffs and Trade – Gatt), das im Januar 1948 in Kraft trat, ist der ökonomische, rechtliche und institutionelle Rahmen für den internationalen Handel.

Manager und Märkte

Im Hause der Chase Manhattan Bank in New York waren Vertreter der Spitzenbanken dieser Welt versammelt. Ziel des Treffens war der Versuch, die wirtschaftlichen Verhältnisse in hochverschuldeten Ländern der Dritten Welt transparenter zu machen, damit die Länderrisiken für die kreditgebenden Banken überschaubarer werden.

Welthandel: Kampf um Marktanteile

Im Jahre 1981 hat der Welthandel zum ersten Mal nach dem Zweiten Weltkrieg stagniert. Zwischen 1963 und 1973 wuchs er noch um 8,5 Prozent jährlich.

Länder im Vergleich

Einen großen Sprung nach vorn bei der Bekämpfung der Inflation machten die USA. Mit einem Preisanstieg von nur noch fünf Prozent nehmen sie jetzt den dritten Rang unserer Stabilitätsliste ein.

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