Der altbekannte Christdemokrat Fanfani soll die neue Regierung Italiens bilden – mit den gleichen fünf Parteien, an denen die Regierung des Republikaners Spadolini gescheitert war.

Ohnehin nicht verwöhnt durch neue Gesichter in der Politik, trauen die Italiener ihren Augen nicht, wenn sie in diesen Tagen den 74jährigen Amintore Fanfani wieder am Werk der Koalitionsbastelei sehen. Seit 1974, als er vergebens einen Volksentscheid gegen das Ehescheidungsgesetz propagiert hatte, schien Fanfanis Stern zu verblassen; vor dem letzten Kongreß seiner Partei war er ausgepfiffen worden.

Doch mit unverdrossener Wendigkeit und Geistesgegenwart hatte es Fanfani zuwege gebracht, daß die Christdemokraten durch die Wahl De Mitas zum Parteivorsitzenden eine sanfte Wende wieder nach links (zu den Sozialisten hin) vollzogen hatten. Schon in den sechziger Jahren war es Fanfani gewesen, der die erste „linke Mitte“ aus der Taufe gehoben hatte. Jetzt dankte es ihm De Mita, indem er Fanfani allein dem Staatsoberhaupt als Kandidaten für eine neue Koalition präsentierte.

Wenn auch selbst konservativ gestimmt, hat sich Fanfani gleichwohl für sein Comeback nach allen Seiten abgesichert. Als langjähriger Präsident des Senats, des „Oberhauses“ im italienischen Parlament, wußte er sich das Prestige eines weise gewordenen älteren Staatsmannes zu erwerben, der sich für das Vaterland in äußersten Krisenfällen bereithielt und „über den Parteien“ zu schweben versteht.

Jetzt sieht er seine Aufgabe nicht darin, eine „Winter-Regierung“ zu bilden, um die Italiener dann – wie die Sozialisten wünschen würden – wieder einmal vorzeitig zu den Wahlurnen zu schicken. Fanfani möchte vielmehr ein längerfristiges Wirtschaftsprogramm zur Krisenüberwindung vereinbaren – nicht viel anders, als Spadolini es vergeblich versucht hat. Allerdings hätte Fanfani eine Democrazia Cristiana hinter sich, die von ihrer Frustration, 16 Monate lang nicht den Regierungschef zu stellen, wieder befreit wäre.

Und auch die Sozialisten könnten nicht mehr so leicht wie bisher mit der Flucht in die Opposition drohen – meint Fanfani. Er hat nämlich auch auf der äußersten Linken schon vorgebaut: Spadolini war kaum gescheitert, da machte Fanfani in einem Interview den Kommunisten artige Komplimente und empfing deren Parteichef als ersten zu Konsultationen. Mit Berlinguer hatte er sich schon stundenlang im Flugzeug nach und von Moskau unterhalten, wo beide den toten Breschnjew ehrten. Fanfanis politische Auferstehung, so kurz sie sein mag, bürgt dafür: Auch in Italien gibt es Kontinuität, selbst in den Krisen. Hansjakob Stehle (Rom)