Von Heinz-Günter Kemmer

Den Führungsstil des Hauses Flick schildert Eberhard von Brauchitsch dem US-Magazin Fortune so: "Er ist unglaublich unsystematisch und deshalb funktioniert er so gut." Diese vor gut drei Jahren geäußerte Meinung wird von Brauchitsch inzwischen wohl revidiert haben – zumindest was den zweiten Teil des Satzes angeht. Der persönlich haftende Gesellschafter der Friedrich Flick Industrieverwaltung KGaA muß das Haus verlassen.

Mit ihm gehen zwei weitere persönlich haftende Gesellschafter. Hanns Amt Vogels wurde ebenso wie Brauchitsch der Stuhl vor die Tür gesetzt, der Dritte im Bunde, Klaus Götte, nimmt freiwillig seinen Hut. So bleibt nur noch der vierte persönlich haftende Gesellschafter Friedrich Karl Flick übrig. Was kein Wunder ist, denn ihm gehört der ganze Konzern.

Verhandelt wird freilich allenfalls noch über die Modalitäten des Ausscheidens der drei führenden Flick-Manager. Und zumindest ein Nachfolger ist schon benannt: Der 62jährige Hans Werner Kolb, derzeit Vorstandsvorsitzender der Flick-Tochter Buderus AG in Wetzlar, wird am 1. Januar 1983 "die Betreuung der inländischen Gesellschaften der Gruppe Flick im Rahmen der konzernführenden Holding" übernehmen.

Außer – wie man vermuten darf – viel Geld gibt der Konzernchef seinen scheidenden Mitarbeitern und Duzfreunden auch noch einen Persilschein mit auf den künftigen Lebensweg: "Die Vorgänge haben im übrigen weder mit den staatsanwaltschaftlichen Ermittlungsverfahren noch mit den Bescheinigungen der Flick-Gruppe nach den Paragraphen 6 b des Einkommensteuergesetzes und 4 des Auslandsinvestitionsgesetzes zu tun."

Was wohl heißen soll, daß Flick seinem Schulfreund von Brauchitsch weder das staatsanwaltschaftliche Ermittlungsverfahren wegen der Spendenaffäre verübelt noch ihn dafür verantwortlich macht, daß die steuerbegünstigte Wiederanlage von 820 Millionen Mark aus dem Verkauf von Daimler-Aktien bei der US-Gesellschaft W. R. Grace in New York nun von den Bonner Behörden in Zweifel gezogen wird. Steuernachzahlungen in Höhe von 450 Millionen Mark sind deshalb nicht mehr auszuschließen. Daß FKF (wie Friedrich Karl Flick im Hausjargon genannt wird) sich mit Vorwürfen wegen dieses Mismanagements zurückhält, ist verständlich. Schließlich hat Flick selbst an allen damit zusammenhängenden Geschäften mitgewirkt.

In der Spendenaffäre wäscht der Konzernchef seine Hände allerdings in Unschuld. In einem Schriftsatz an die ermittelnde Bonner Staatsanwaltschaft betont er zwar zunächst, er könne sich überhaupt nicht vorstellen, daß die Vorwürfe zutreffen. Sei es aber doch zu Straftaten gekommen, dann habe er nichts davon gewußt. Ein paar Millionen Mark wären dann im Zuge des "Managements by Unsystematik" an ihm vorbeigeflossen.