Jagdhörner bliesen den letzten Gruß, als am 9. Januar 1980 auf dem kleinen Friedhof am Stillen Weg in Hamburg-Groß-Flottbek Verwandte, Freunde und Kollegen Abschied von dem durch Selbstmord aus dem Leben geschiedenen Verlegersohn Axel Springer junior nahmen. Unter den prominenten Trauergästen von Friedrich Karl Flick bis Max Schmeling, Frederic Ullstein bis Berthold Beitz befand sich ein Mann, der den Chronisten keine Erwähnung wert war, aber Axel Soringer junior gestanden hatte, als die meisten andern und dies nicht nur wegen ihrer gemeinsamen Jagdleidenschaft: Franz Burda, 50, ältester Sohn des Offenburger Großdruckers und Zeitschriftenverlegers Senator Franz Burda.

Es wurde kolportiert, daß Axel Cäsar Springer schon vor zwei Jahren – am offenen Grabe seines; Sohnes – den Burda-Sproß und dessen beide Brüder Friedrich (genannt Frieder), 46, und Hubert, 42, als jene „Wahlverwandten“ ins Auge faßte, die Springers Medienkonzern übernehmen sollten. Doch das dürfte eine Legende gewesen sein.

Damals konzentrierten sich Springers Gedanken; nämlich noch auf eine Allianz mit der erfolgreichen Verlegerdynastie Bauer, (Quick, Neue Revue, Bravo, TV Hören und Sehen, Playboy).

Erst nachdem sich die Allianz Springer-Bauer nicht realisieren ließ, weil sich die in Sachen Pressekonzentration äußerst sensiblen Fusionskontrolleure im Berliner Kartellamt querlegten, richtete der Herr über Bild und Welt, Welt am Sonntag, Bild am Sonntag, Hörzu, Berliner Morgenpost und Hamburger Abendblatt seine Hoffnungen ganz auf die drei Burda-Erben.

„Die Söhne des Seniors Franz Burda“, so suchte der 70jährige Alleininhaber des größten deutschen Zeitungshauses der Monopolkommission. die umstrittene „Elefantenhochzeit“ nahezubringen, „stehen in einem Lebensalter; das der Nachfolgegeneration entspricht; sie verfügen über eine solide Bodenständigkeit, – über sachgemäßen Kenntnisreichtum und eine durable Willenskraft“. Das Wohlwollen gegenüber den badischen Nachwuchsunternehmern pflegt Springer inzwischen auch privat, im Kreise von Freunden und Wesensverwandten. In der Berliner Villa des Großverlegers in Schwanenwerder findet kaum ein gesellschaftliches Ereignis statt, bei dem nicht einer der Burdas Zugegen wäre – zuletzt im Oktober, bei einem Hauskonzert mit dem 13jährigen rumänischen Klavierwunder. Dimitris Sgouros, zu dem Frieder Burda herübergekommen war.

Dennoch ist vor allem das höhere Springer-Management darüber irritiert, daß der Mann, der wie kein anderer Verleger mit seinen Blättern den politischen Meinungsstreit entfachte, sein Lebenswerk ausgerechnet in die Hände einer Familie legen will, die mit ihren Druckerzeugnissen das Unpolitische fast zum System erhoben hat. Seine Motive dürften denn auch mehr emotional als politisch sein. Auf Axel Springer, der ohne einen für die Nachfolge bereitstehenden Erben sein Haus-, bestellen muß, übt eine Verlegerfamilie, die in der dritten Generation gleich drei tüchtige Söhne an die Spitze ihres Unternehmens stellen kann, anscheinend eine besonders große Anziehungskraft aus. Die Springersche „Wahlverwandtschaft“ mit den drei Burda-Brüdern geht jedenfalls nicht auf eine Wesensverwandtschaft der beiden Senioren zurück. Dafür sind der einsame Rufer aus Altona, und der Künder einer schönen, bunten Welt aus! Offenburg einfach zu konträre Charaktere. Auch, wenn der Patriarch Burda gern von „meinem Freund Axel Springer“ spricht, dürfte ihr Verhältnis über die gegenseitige Anerkennung als erfolgreiche Medienmacher der ersten Stunde und ihr gemeinsames Eintreten für die ordnungspolitischen Voraussetzungen ihres unternehmerischen Aufstiegs kaum hinausgehen.

Wurde Springers wirtschaftliche Größe bisweilen erheblich überzeichnet, so wurde der Provinzler Burda bis heute in der öffentlichen Einschätzung eher eine Nummer zu klein gehandelt. Dabei kann der heute 79jährige promovierte Volkswirt, von der Pike auf gelernte Drucker und Selfmade-Journalist Franz Burda auf eine mindestens ebenso steile Karriere zurückblicken wie der hanseatische Pressezar. Wie Springer mit seiner Hörzu, so legte Burda mit einer Rundfunk-Zeitschrift die Basis seines späteren Imperiums. Zwar wurde die Süddeutsche Radio-Zeitung (Sürag) 1927 von Burdas Vater gegründet, der sie in einer kleinen Offenburger Hinterhofdruckerei zusammen mit einem Lehrling herstellte. Aber erst Franz dem Zweiten gelang es, dem Programmblatt, das die Rundfunkhändler jedem Käufer eines Radiogerätes im Abonnement anboten, in den dreißiger Jahren zu einer Auflage von über 100 000 Exemplaren zu verhelfen.