Bei Ausbruch des Zweiten Weltkrieges beschäftigte Franz Burda bereits 600 Mitarbeiter – 250 in Offenburg und 350 in Mannheim, wo er im Zuge der Arisierung jüdischen Vermögens 1938 die Druckerei Gebrüder Bauer übernommen hatte.

1941 mußte Burda seine Sürag erst einmal einstellen. Die Burda-Druckbetriebe wandten sich wichtigeren Aufgaben zu: der Herstellung von Auslandskarten für das Oberkommando des Heeres und schließlich sogar von Luftbildplänen in mehrfarbigem Tiefdruck für Hitlers Bomberkommandos. Als alles vorbei war, gelang es Burda dank seiner guten Beziehungen zur französischen Besatzungsmacht, seinen Betrieb auf die Produktion provisorischer Schulbücher in Millionenauflage umzustellen, und sogar auf den Druck von Briefmarken für die französische Zone.

Bald nach Kriegsende 1948, erhielt Franz Burda von der „Direction de l’Education publique“ den Auftrag, eine 14tägig erscheinende illustrierte Zeitschrift herauszubringen. Der redaktionelle Teil wurde von den französischen Besatzern zusammengestellt. Die Bildgazette erhielt den Namen Das Ufer und sollte 1954 als Bunte Illustrierte das Flaggschiff des Burdaschen Zeitschriftenimperiums werden.

Burda ist bisweilen geringschätzig nachgesagt worden, daß sich seine verlegerischen Aktivitäten im Grunde darin erschöpft hätten, billiges Futter für seine gefräßigen Tiefdruckmaschinen heranzuschaffen. Die Spötter übersahen, daß er dazu erst einmal die geeigneten Verlagsobjekte auf dem hart umkämpften Zeitschriftenmarkt zum Erfolg führen mußte. Dem aus kleinen Verhältnissen Aufgestiegenen kam dabei zugute, daß er „einen Riecher für das hat, was beim Leser ankommt“, wie er sich in einer hausgemachten Jubelschrift zum 60. Geburtstag attestieren ließ.

Wo sich andere mit wissenschaftlichen Zielgruppenanalysen auf verlegerisches Neuland vortasten und auf die Weisheit des Computers vertrauen, entscheidet Burda aus der Tiefe des Gemüts. „Hier ist mein Computer“, pflegt er auf die Frage nach dem Geheimnis seines Erfolges zu antworten und tippt sich dabei an die Nasenspitze. Burda machte seine Zeitschriften stets so, daß sie ihm selbst gefielen. Sein angeborener Sinn für das Volksempfinden war der sichere Garant dafür, daß sie das Publikum auch kaufte.

Franz Burda begnügte sich nicht damit, ein neues Blatt zu konzipieren. Er kniete sich vielmehr, vor allem für seine Bunte, tief in die redaktionelle Routinearbeit, obwohl er nie eine journalistische Ausbildung genossen hatte. Als 1953 seine Redakteure den Krönungsfeiern für Königin Elizabeth nur eine einzige Seite (damals noch in Das Ufer) widmen wollten, kam es zum großen Krach. Kurzentschlossen fuhr er mit einer Sekretärin im Auto nach Zürich, um am Flughafen den aus London heimkehrenden Photoreportern sofort die Bilder abzukaufen, die er brauchte. Noch in der Nacht, auf der Heimfahrt, entwarf er das Layout und diktierte die Texte für eine Krönungs-Sondernummer, die mit einer um 100 000 Exemplare höheren Auflage in Satz ging.

Als Burdas Ältester, im Familienstammbaum als „Franz der Dritte“ registriert, 1958 die technische Leitung der Druckbetriebe übernahm, konnte sich der Verleger und Chefredakteur noch intensiver auf seine Bunte konzentrieren. Dabei scheute er sich nicht einmal, zuweilen die Wirklichkeit der Wunschwelt seiner Leser anzupassen. Seinen Mitarbeitern sträubten sich die Haare, als er seine Putzfrau fragte: „Wie schaut die Donau aus?“ und auf die erwartete Antwort hin ein Bild des Stroms von schmutzig-grau auf donau-so-blau umtönen läßt.