Im Hause der Chase Manhattan Bank in New York waren Vertreter der Spitzenbanken dieser Welt versammelt. Ziel des Treffens war der Versuch, die wirtschaftlichen Verhältnisse in hochverschuldeten Ländern der Dritten Welt transparenter zu machen, damit die Länderrisiken für die kreditgebenden Banken überschaubarer werden. Auch zwei Deutsche gehörten zu dem illustren Kreis: Winfried Spaeh von der Dresdner Bank New York und Friedhelm Jost, Leiter der Auslandsabteilung der Commerzbank.

Auch die Westdeutsche Landesbank gehörte zu den Eingeladenen; Axel Kollar, stellvertretendes Vorstandsmitglied, hatte sich angemeldet, war aber nicht erschienen. Die Deutsche Bank glänzte durch Abwesenheit – sicher nicht, weil sie gegen Transparenz wäre, eher (aber das ist eine Vermutung) weil sie ein Verfahren ohne Publizität vorzieht. Über die Gespräche in der Chase berichteten nämlich die amerikanischen Zeitungen.

Die "Soforthilfe" in Höhe von 150 Millionen Mark, die der Bund und das Saarland der Arbed Saarstahl GmbH gewährt haben, hält offenbar nicht lange vor. Für den 10. Dezember wird eine neuerliche Liquiditätskrise befürchtet – der Konkurs des Unternehmens droht also weiterhin.

Neben den Banken, die ihr Geld verlieren würden, fürchten diesen letzten Schritt auch die Konkurrenten von Saarstahl. Wenn nämlich ein anderes Unternehmen die von ihrer Schuldenlast befreiten Saarstahl-Betriebe aus der Konkursmasse für wenig Geld erwerben würde, hätte er wegen seines geringen Kapitaldienstes vermutlich die niedrigsten Produktionskosten in der Bundesrepublik und könnte andere Stahlerzeuger dann unterbieten.

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Die Meldungen gemahnen an Beschwörungsrituale von Naturvölkern: Die Sprecher der Ölgesellschaften, so berichtete die Frankfurter Allgemeine Zeitung am Dienstag dieser Woche, rechnen damit, daß sich die Verteuerung des Benzins "im ganzen Bundesgebiet durchsetzt".

Noch am Samstag voriger Woche las es sich im gleichen Blatt anders: "Höhere Benzinpreise kaum durchsetzbar", lautete die Überschrift. Da hatte aber auch nur Esso die Zählwerke an den Tanksäulen bei Benzin um zwei und bei Diesel um einen Pfennig nach oben gedreht; inzwischen versuchen auch Aral, Shell, Texaco und BP, mehr für ihren Treibstoff zu bekommen.