Die Aktientendenz stand in den letzten Tagen wieder einmal im Gegensatz zu der aktuellen wirtschaftlichen Situation in der Bundesrepublik. Das ist nur zum Teil auf die Aussicht weiter sinkender Zinsen zurückzuführen. Vielmehr wächst an der Börse die Zuversicht, daß es im zweiten Halbjahr 1983 zu einer spürbaren wirtschaftlichen Erholung kommen wird.

Im nächsten Jahr, so behaupten Anlagemanager, werden die größeren Chancen nicht mehr bei den festverzinslichen Papieren liegen, sondern bei den Aktien. Dabei gehen sie davon aus, daß die heutige Bundesregierung auch nach den bevorstehenden Bundestagswahlen im Amt bleiben wird.

Als kaufwürdig gelten in erster Linie nur Aktien solcher Unternehmen, bei denen die Ertragskraft in der langen Rezessionsphase nicht über Gebühr gelitten hat. Das sind übrigens die gleichen Papiere, in denen sich auch die Ausländer am deutschen Markt zu engagieren pflegen. Die Auswahl erfolgt deshalb nicht mehr wie noch bis vor einiger Zeit nach Branchen. Vielmehr wird die Lage jedes einzelnen Unternehmens analysiert. Denn es ist eben ein erheblicher Unterschied, ob jemand Daimler- oder VW-Aktionär ist. Ähnliche Qualitätsunterschiede gibt es auch bei den Banken oder im Bereich der Maschinenbauer.

Geteilt sind die Meinungen über die Großchemie-Aktien. Zwar deutet vieles darauf hin, daß die Dividenden von BASF, Bayer und Hoechst für 1982 von sieben auf fünf Mark gesenkt werden. Falls sich aber im Frühjahr bereits eine Besserung im Chemie-Bereich abzuzeichnen beginnt, könnten sich die Vorstände mit einem Abschlag von einer auf sechs Mark zufriedengeben. So jedenfalls die Meinung jener, die zur Zeit Chemie-Aktien kaufen.

K. W.