Hamburg

Für Bild war es eine photographische Delikatesse: "Punker am Politiker-Buffet" schrieb, sie unter das breite Bild aus dem Hamburger Rathaus. Sie stellte damit sogleich klar, daß die drei Jugendlichen mit den Lederjacken nicht dahin gehörten, wo sie gesehen worden waren. Solcher Vorwurf ist den Punx, wie sie sich aus Protest gegen die abwertende Bezeichnung Punker nennen, nichts Neues. Er ist vielmehr ein Grund, warum sie sich im Rathaus eingefunden hatten. Dort wurde über einen Antrag der GAL debattiert: Schaffung eines witterungsunabhängigen Treffs für Jugendliche und Jungerwachsene in Ottensen/Altona". Damit soll den "ungeliebten Punks" vom Spritzenplatz in Ottensen nach ihrer Vertreibung von der Mönckebergstraße und aus dem Karolinenviertel nun eine weitere Station zugewiesen werden, eine Station, die, unabhängig von der Witterung der öffentlichen Meinung, Bestand hat.

Am Abend des 12. November fiel die Entscheidung: 180 000 Mark wurden für Kauf und Aufbau von zwei Baubaracken und vier Containern mit Duschen und WCs bewilligt. Sollte der Gang durch die Baubehörde so zügig verlaufen, wie der Senator für Arbeit, Jugend und Soziales zusagte, können die Punx in drei Wochen mit dem Aufstellen der Baubaracken beginnen. Ob das "Unterstellhäuschen", wie Bild sie nennt, allerdings der richtige Platz für die Punx sein wird, oder vielleicht nur ein Abstellhäuschen, ist zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch nicht entschieden.

Zwar freuen sich die Punx, daß sie sich im nahen Winter auf dem Spritzenplatz "nicht den Arsch abfrieren" müssen. Auch ist dort das Klima aus noch anderen Gründen ungemütlich geworden. In einer eigenen Dokumentation "Was ist los am Spritzenplatz" drucken sie Beweise dafür, daß dort oft der Teufel los ist. Denn die Punx, die entgegen der von ihnen inspirierten Mode etwas fahl und selbstgestrickt aussehen, wirken auf viele wie ein rotes Tuch.

Alte Männer gehen mit Latten auf sie los, Jugendbanden wie die Fans des Hamburger Sportvereins oder die "Skins" mit Steinen und Flaschen. Einige Punx tragen auf ihren Jacken das sternförmige Emblem der englischen Rockgruppe CRASS. "To ashes in Auschwitz it’s just a small leap", steht auf einem ihrer Plattencover: "Zur Asche in Auschwitz ist es nur ein kleiner Sprung". In die Gaskammer, so haben ihnen Passanten zugerufen, gehörten sie.

Freunde und Helfer sind in solchen Situationen rar. Zwar sind am Spritzenplatz Polizisten sehr zahlreich vertreten, zwei bis vier in Uniform, ebensoviel in Zivil und häufig etwa 50 zum Einsatz gerüstet in grünen Wagen um die Ecke.

Doch der Schrei "Hilfe! – Hilfe!! – Polizei", der in der Dokumentation der Punx einen Titel abgibt, wendet sich nicht an die Polizei. Im Gegenteil. Die Punx würden "durch die Polizei systematisch bespitzelt und kriminalisiert", klagte die GAL-Abgeordnete Ulla Jelpke im September vor der Bürgerschaft. Daß mit dem neuen Hamburger "polizeilichen Handlungskonzept" keine Ruhe geschaffen wurde, verwundert niemanden.