Bei Neuberechnungen müssen einige statistische Angaben kräftig korrigiert werden

Auch für beamtete Statistiker gilt: Irren ist menschlich. Das haben kürzlich schon die Eidgenossen entdeckt. Die Inflationsrate in der Schweiz ist jahrelang falsch berechnet worden. Eine ähnliche Blamage ist den Zahlenspezialisten im Statistischen Bundesamt bisher erspart geblieben. Aber auch sie müssen hin und wieder ihre Erhebungsmethoden ändern und Fehler korrigieren. Dies geschieht zur Zeit in aller Stille.

Dabei zeigen sich allerdings zum Teil so starke Differenzen, daß Helmut Schlesinger, Vizepräsident der Deutschen Bundesbank, es für notwendig hielt, die Mitglieder des Zentralbankrats in einem Rundschreiben darauf hinzuweisen. Das Fazit der Korrekturen sei nämlich, daß "die langfristigen Fehlentwicklungen" der deutschen Wirtschaft "noch stärker akzentuiert hervortreten" als bisher bekannt war.

Daß die Statistiker bei der Berechnung des realen Sozialprodukts die durchschnittliche Steigerung von 1968 bis 1981 mit 3,2 statt mit nur 3,1 Prozent berechnet haben, ist kein bedeutsamer Fehler und bei der von Zeit zu Zeit erforderlichen Anpassung der Berechnungsgrundlage an veränderte Preise, Verbrauchs- und Produktionsstrukturen unvermeidlich.

Kopfschütteln muß dagegen hervorrufen, daß sich mit den Männern und Frauen, die die Statistiker bei der Zählung der Erwerbstätigen übersehen haben, eine ganze Großstadt bevölkern ließe. Denn statt 25,680 Millionen gab es 1981 26,083 Millionen Erwerbstätige in der Bundesrepublik. Das ist immerhin eine Differenz von 403 000.

Noch deutlicher mußte das Statistische Bundesamt die Angaben über die Zahl der abhängig Beschäftigten revidieren. Tatsächlich waren es 22,832 Millionen, also 587 000 mehr, als ursprünglich angegeben. Den höchsten Schwund gab es 1977, als sogar 682 000 Arbeitnehmer in der Statistik fehlten Da drei Viertel derjenigen, die dem Blick der Zähler entgangen sind, im Dienstleistungsbereich arbeiten, blieb auch eine bedeutsame Veränderung am Arbeitsmarkt unbemerkt: Die Beschäftigungsstruktur hat sich viel stärker zum tertiären Sektor hin verschoben, als bisher angenommen wurde.

Während die Zahl der Arbeitnehmer aufgrund der Berechnungsfehler um 2,5 Prozent zu niedrig angesetzt wurde, haben die Statistiker die gesamtwirtschaftliche Leistung zwölf Jahre lang zu hoch angegeben. Das reale Bruttosozialprodukt auf der neuen Preisbasis von 1976 war im vergangenen Jahr um 0,6 Prozent oder acht Milliarden niedriger, als bisher angenommen.