Aber wenn er 1984 wiedergewählt werden will, muß er in vieler Hinsicht umdenken

Von Marion Gräfin Dönhoff

Washington, im November

Wer sich in dieser weltpolitisch aufregenden Zeit, von Europa kommend, in Amerika aufhält, staunt über die "Ichbezogenheit" dieses Kontinents. Selten kommt das Gespräch auf den Führungswechsel in Moskau oder die Entfremdung zwischen den Vereinigten Staaten und den europäischen Alliierten oder auf eine drohende internationale Finanzkatastrophe. Vielmehr dreht sich alles – wie schon bei der Wahl am 2. November – ausschließlich um das Thema Wirtschaft. Um die amerikanische Wirtschaft, versteht sich.

Außenpolitik interessiert den durchschnittlichen Amerikaner nicht, braucht ihn auch nicht zu interessieren. Er ist ja Bewohner eines riesigen Kontinents, der nur im Norden und Süden je einen Nachbarn hat und der seine Bedürfnisse weitgehend autark befriedigen kann, also nicht wie wir mit fast einem Drittel seines Sozialprodukts vom Welthandel abhängt und ständig befürchten muß, in der Enge Europas einem der vielen Nachbarn auf die Füße zu treten.

"Sie dürfen nicht vergessen, daß dies ein großes, wildes Land ist", sagt Ex-Senator William Fulbright. Einst brachte der mächtige Grand Old Man als Chef des Außenpolitischen Ausschusses im Senat fünfzehn Jahre lang vier verschiedene Administrationen zur Verzweiflung. Als weltläufiger Politiker machte er immer wieder Einwendungen gegen die oft "hausbackene" Außenpolitik des Landes geltend. "Sie dürfen nicht vergessen, daß dies, abgesehen von einigen Zentren hoher Gelehrsamkeit und differenzierter Intellektualität, eine überdimensionierte Provinz ist, in der Liberalität und Zivilisation nicht allzuviel gelten." Sein Beweis: "Als ich nach dem Zweiten Weltkrieg vorschlug zu erwägen, ob nicht gewisse Änderungen an der Verfassung notwendig seien, wurde ich – und dies bezeichnet den höchsten Grad des Mißfallens – als overeducated s.o.b. bezeichnet."

Furcht vor der Inflation