Von Peter Sager

Kein Hase wurde je so leidenschaftlich gejagt wie dieser: ein mit Rubin und Türkis besetzter, 18karätiger Goldhase, den der Maler Kit Williams in einer Vollmondnacht im August 1979 in einem Park in England vergrub.

Und kein Buch hat seine Leser so buchstäblich zu Schatzsuchern gemacht wie "Masquerade", die poetisch verrätselte Bildergeschichte von Jack Hare, der bei seinem turbulenten Lauf durch die vier Elemente und 16 Bilder dieses Buches ein juwelenbesetztes Geschenk verliert und gleichzeitig verrät, wo der echte, der Goldene Hase vergraben liegt.

Ich habe ihn, um es gleich zu sagen, nicht gefunden – sowenig wie Millionen Leser zwischen London und Tokio, die diesen in neun Sprachen übersetzten Bestseller gelesen und Bild für Bild in seine Bestandteile zerlegt haben.

Vergeblich mein Besuch in Gloucestershire: "Masquerade"-Autor Kit Williams ließ sich des Rätsels Lösung nicht entlocken (ZEIT Nr. 34, 1980). Vergeblich auch die detektivische Arbeit unseres Lesers Wolfgang Günther ZEITmagazin Nr. 37, 1981): Der Hannoveraner Dozent vermutete den Goldenen Hasen in Isaac Newtons Grabmal in Westminster Abbey – "genial, aber falsch" (Kit Williams).

Endlich, im Februar dieses Jahres, hat ein englischer Ingenieur mit dem Pseudonym Ken Thomas den Schatz gefunden. Das heißt, eigentlich war es sein Hund, der den Hasen im Ampthill Park bei Bedford witterte. Er pinkelte an einen alten Feldstein, auf dem die Worte des Psalmisten standen: "Herr, wie sind Deine Werke so groß und viel! Du hast sie alle weislich geordnet, und die Erde ist voll Deiner Güter."

Diesen Fingerzeig des Himmels und seines Hundes nahm Ken Thomas ernst und begann zu graben. Daß er nach mehreren Nächten vergeblichen Wühlens den Hasen tatsächlich aufspürte, war indes kein bloßer Zufall.