Bemerkenswert schnell hat sich ein Dialog zwischen der amerikanischen und der neuen sowjetischen Führungsspitze angebahnt. Dies kann all jene beruhigen, die nach Breschnjews Tod eine langwierige Übergangsphase im Kreml befürchteten, eine Funkstille. Es wird also wieder gesendet. Aber geben die Signale, wie sie Reagan und Andropow am Wochenende in Reden austauschten, Anlaß zum Aufatmen?

Das Leitmotiv im Zwiegespräch der Supermächte hat sich nicht geändert. Aufrüsten und Abrüsten klingt es weiterhin von hüben wie von drüben. Eine interessante Variation bot lediglich Andropows Plädoyer für die Entspannung. Seine Behauptung, "dieser Politik gehört die Zukunft", hob sich wohltuend von den düsteren Ost-West-Tönen in Breschnjews letzten Reden ab.

Ob Andropows Optimismus der Überzeugung oder bloß taktischem Kalkül entsprang, wird sich am künftigen Verhalten beider Seiten ablesen lassen. Testmöglichkeiten gibt es genug. Selten zuvor haben die beiden Großmächte gleichzeitig so viele Verhandlungen miteinander geführt. Noch schieben sie einander den Schwarzen Peter zu und machen eigene Konzessionen von Vorleistungen des anderen abhängig. Aber Sparring ist selten aufschlußreich. Gezählt wird im Ring – bei den Genfer Abrüstungsgesprächen. D. B.