Max Grundig gibt auf. Eine der letzten Symbolfiguren des deutschen Wirtschaftswunders verläßt die Bühne. Andere sind vor ihm gegangen: weil sie ihr Lebenswerk in jüngere Hände legen wollten, weil sie rechtzeitig Kasse gemacht haben, weil ihr Unternehmen auf zu schwachen Fundamenten ruhte und zusammenbrach, sobald rauhere Winde wehten.

Dem vom Radiobastler zum Herrn über einen Elektro-Konzern mit drei Milliarden Mark Umsatz aufgestiegenen Max Grundig dient vor allem die "japanische Gefahr" als Argument für den Ausverkauf an die Franzosen und für die damit verbundene Konzentration (siehe Seite 23). Doch wenn die Grundig-Gruppe sich heute in die Arme eines noch Größeren flüchten muß, dann liegt dies auch an Fehlentscheidungen, verpaßten Marktchancen und einem nicht mehr zeitgemäßen Führungsstil. Grundig hat es nicht geschafft, fähige Manager um sich zu versammeln und im Unternehmen zu halten, denen er heute die Verantwortung übertragen könnte.

Dafür überträgt er sie nun ausgerechnet einem französischen Staatskonzern, dessen Politik von den Intentionen einer sozialistischen Regierung bestimmt wird, die zur Zeit gewiß größere Sorgen hat als die Erhaltung von Arbeitsplätzen in Deutschland. Eine feine Art, sich von seinen langjährigen Mitarbeitern zu verabschieden? mj