Von Karl-Heinz Jakobs

I.

Alle vier, fünf Jahre werde ich im Neuen Deutschland beschuldigt, im Haus des deutschen Ostens auf charakterlose Weise meine sozialistische Heimat verraten zu haben. Der Vorwurf kränkt mich, denn wegen desselben Delikts bin ich schon vor Jahren aus dem Schriftstellerverband ausgeschlossen worden. In der Zeit seit dem aber habe ich Bücher und Essays veröffentlicht, Interviews gegeben in Zeitungen und Rundfunksendern, um mich der Strafe würdig zu erweisen. Es kränkt mich, und ich bin ungehalten, daß mir immer dasselbe vorgeworfen wird, als sei ich ein Mann ganz ohne Erfindungskraft.

Die Jugend unseres Landes, hieß es im Neuen Deutschland über mich, wende sich entschieden gegen einen solchen Verrat an unseren Idealen.

II.

Welche Ideale könnte ich verraten haben? Die Ideale des Krieges vielleicht? Im Militärverlag der DDR ist 1979 ein Buch erschienen unter der Redaktion von Generalmajor Professor Doktor Milowidow und Oberst Professor Doktor Safronow, in dem es heißt:

Um eines hohen Zieles willen ist auch der Heldentod schön, denn er bejaht und rühmt das Leben angesichts des Todes. Dank der moralischen Schönheit einer Handlung unter tragischen Umständen entfaltet sich jene kraftvolle emotionale Erregung und Anspannung, die man gewöhnlich als "Gefechtsrausch" bezeichnet...