Gerhard Schröder, 38 Jahre alt, ist seit 1980 im Bundestag, wo er in der SPD-Fraktion unter anderem die "Linken koordiniert". Der ehemalige Juso-Vorsitzende ist auch weiterhin als Anwalt tätig: In Itzehoe verteidigt er Jo Leinen, Vorsitzender des "Bundesverbandes Bürgerinitiativen Umweltschutz", angeklagt wegen der Brokdorf-Demonstration.

ZEIT: Letztes Wochenende, beim Kieler SPD-Bundeskongreß, kündigte Herbert Wehner seinen Abschied von der Politik an. Was bedeutet diese Entscheidung für Sie?

Schröder: Was ich dazu sagen kann, hat mehr mit Emotionen zu tun als mit politischen Überlegungen: Es entsteht eine große Lücke. Herbert Wehner fehlt uns einfach. Immer war er da, der Mann und der Genosse – auch für mich, obwohl ich viele seiner Entscheidungen nicht verstanden und kritisiert habe. Jetzt fehlt er. Und sein Nachfolger wird es schwer haben. Anders als Wehner, dieses Stück SPD, muß er mehr überzeugen können als anordnen.

ZEIT: Das führt zu der Frage: Was erwarten Sie von Hans-Jochen Vogel?

Schröder: Vor acht Jahren noch habe ich nichts von ihm gehalten. Da war er ein rotes Tuch für uns. Aber er hat sich gewandelt – und zwar glaubhaft gewandelt. Früher hat er den alten Politik-Ansatz – das Wachstum über den Staat gerechter zu verteilen – perfekt exekutiert. Heute ist er bereit, sich um neue Lösungen neuer Probleme zu kümmern. Ein Mann wie Willy Brandt spürt so etwas, Vogel hat es sich erarbeitet. Und im Gegensatz zu Helmut Schmidt begreift er Politik als Dialog. Aber auch Vogel wird von der Fraktion viel verlangen. Einfach wird es unter ihm bestimmt nicht werden.

ZEIT: Der neue SPD-Kanzlerkandidat ist ja auch bereit, mit Grünen, Alternativen und Friedensanhängern, zu reden. Kündigt sich da ein Kurswechsel an?

Schröder: Die Grünen sind ein mittelfristiges Problem. Ihre vernünftigen Forderungen sind auch unsere Forderungen. Sie müssen aber noch lernen, daß Probleme wie der Umweltschutz nicht absolut gesetzt werden können. Doch gibt es vorläufig keine Alternative zu einer Zusammenarbeit mit ihnen. Und für mich ist eine Koalition SPD/Grüne keine Grundsatzfrage. Einen Mann wie den Berliner Alternativen Otto Schily kann ich mir durchaus als Justizminister vorstellen.